Abifeiern in Corona-Zeit: "Achterbahnfahrt der Gefühle"

NRZ; 21.06.21


An Rhein und Ruhr. Lange mussten Schüler um ihre diesjährige Abifeier bangen. Wie die Abiturienten nun doch noch ihren Abschluss feiern können und was erlaubt ist.

Vor einem Jahr hat Celina Lackermann ihr Abiballkleid gekauft. Seitdem hängt das rote, lange Kleid mit dem V-Ausschnitt von der Abiturientin im Schrank. Beinahe wäre es nicht zum Einsatz gekommen, denn: Corona hätte den Abiturienten in diesem Jahr fast einen Strich durch die schöne Feier-Rechnung gemacht. Durch die derzeit sinkenden Infektionszahlen ist die Abifeier für viele Schüler in diesem Jahr nun doch noch möglich geworden. „Die kurzfristige Planung war zwar stressig, aber jetzt freue ich mich einfach sehr, dass wir doch noch die Möglichkeit hatten, unsere Schulzeit gebührend zu Ende zu bringen“, sagt Celina.

Am Samstag feierten die insgesamt 97 Abiturienten des Konrad-Duden-Gymnasiums (KDG) in Wesel gemeinsam mit Freunden und Familie ihr bestandenes Abitur. 104 Tische waren auf dem Schulhof aufgestellt, für die Abiturienten, deren Eltern und die Lehrer. Mitschüler führten Akrobatik auf der Bühne auf, eine Band spielte. „Es war unvergesslich und wunderschön. Wir haben von allen Seiten nur positives Feedback bekommen“, freut sich Stufensprecherin Celina.

Weseler Abiturienten feiern inoffizielle Abiturfeier in einer Scheune

Sie sei nun einerseits „total erleichtert“, dass die ganze Feier in Corona-Zeiten so gut funktioniert habe, andererseits „war es auch sehr emotional und traurig und wir haben die eine oder andere Träne verdrückt“, resümiert sie den besonderen Abend. Absoluter Höhepunkt sei das Video gewesen, das eine ihrer Mitschülerin über die Schulzeit gedreht habe „und natürlich auch die Party nach dem offiziellen Teil in der Scheune eines Mitschülers.“

Genau wie auf der offiziellen Feier selbst, hätten auch hier die Schüler genauestens die Testpflicht kontrolliert. Zudem hätten beide Feiern im Vorfeld auch beim Ordnungsamt angemeldet werden müssen. Organisiert haben dies die Schüler komplett alleine, genauso wie die Abiturienten des Konrad-Adenauer-Gymnasiums in Kleve.

Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen wurde durch Security kontrolliert

Wie auch am KDG in Wesel, haben die Schüler aus Kleve ihre Abifeier am vergangenen Donnerstag ohne große Einschränkungen, mit insgesamt 100 Personen, durchführen können. „Es war richtig schön und alles hat sehr gut funktioniert“, erklärt Schulleiter Bernd Westerhoff im Hinblick auf die Corona-Schutz-Maßnahmen, wie Lüftungspausen, Masken- und Testpflicht, die von einer Sicherheitsfirma kontrolliert wurde.

„Ich bin voll des Lobes. Ich habe selten einen so disziplinierten Jahrgang erlebt“, zeigt sich der Schulleiter stolz auf seine Abiturienten. Die kurzfristige Organisation der Veranstaltung und die Absprache mit dem Ordnungsamt hätten die Schüler „komplett alleine“ geregelt. Er habe das Gefühl, seine Schüler seien dadurch „schneller erwachsen geworden“. Westerhoff selbst beschreibt die Atmosphäre auf der Feier mit Bierbude, Hotdog- und Getränkestand „wie ein Schützenfest“. Diese Art der Abifeier sei „nicht die schlechteste Idee“. Das „Downsizen“ des Abiturfeier-Rituals in Corona-Zeiten hätte eine schöne Art der Intimität.

Duisburger Schülern steht Abifeier noch bevor

Im Gegensatz zu den Gymnasien in Wesel und Kleve, steht den Abiturienten des Landfermann-Gymnasiums in Duisburg die Abifeier noch bevor. „Wir haben natürlich eine festliche Zeugnisvergabe geplant. Drumherum wird es ein Musikprogramm geben: Mitschüler spielen auf ihren Instrumenten“, berichtet Lea Schäfers von den Planungen der Feier. Trotz der „absoluten Maskenpflicht“ hätte der Jahrgang noch „Glück im Unglück gehabt. Wir haben eine riesen Halle auf dem Gelände des Landschaftsparks als Location bekommen“.

Die vergangenen Monate seien eine „Achterbahnfahrt der Gefühle“ gewesen. Man habe nicht gewusst, ob man feiern darf – und wenn ja, wie. Umso mehr freut sich die Abiturientin nun, dass der langersehnte Abiball am kommenden Freitag doch noch stattfinden kann. Auch, wenn die Vorbereitungszeit mit viel Aufwand verbunden war: „Wir haben klare Ablaufpläne, jeder darf nur zwei Personen mitbringen und jeder muss einen negativen Corona-Test vorzeigen, auch Geimpfte und Genesene“, sagt die Schülerin.

Land NRW teilt mit, wie Schüler ihr Abitur feiern dürfen

Neben den offiziellen Feiern seien auch für die Mitglieder der Abschlussjahrgänge und ihre Lehrer interne Feiern zulässig, bei denen Abstände und Maskenpflicht nicht gelten, teilt das Gesundheitsministerium NRW auf NRZ-Anfrage mit. Dafür sei der Teilnehmerkreis strikt auf die betreffenden Abschlussjahrgänge beschränkt. Die Teilnehmenden benötigten einen Negativtestnachweis und müssen die einfache Rückverfolgbarkeit sicherstellen. „Das bedeutet, für alle Anwesenden müssen Name, Adresse und Telefonnummer digital oder schriftlich erfasst werden. Diese Informationen müssen für vier Wochen aufbewahrt werden“, so eine Ministeriumssprecherin.

Wie das Gesundheitsministerium auf Anfrage unserer Redaktion mitteilt, müsse es kein bestimmtes Konzept für Abifeiern geben, aber die zuständige Behörde muss mindestens zwei Werktage vor der Veranstaltung informiert werden. Die offizielle Entlassfeier sei mit dem Ablauf von Kulturveranstaltungen vergleichbar und daher auch nach den entsprechenden Regelungen zu Abstand und Maskenpflichten zulässig. Die Teilnehmerzahl könne erhöht werden, wenn dies erforderlich sei, um allen Eltern eine Teilnahme zu ermöglichen.


Quelle: NRZ

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