Konrad-Duden-Gymnasium: Schmackhaftes Ganztagsmenü


Bildungsministerium für Bildung und Forschung; 22.06.2020


Ernährungsbildung im „Kochsalon“ ist ein Schwerpunkt des Konrad-Duden-Gymnasiums in Wesel. Als eines der ältesten deutschen Gymnasien hat es mit seinem Angebot aber viele Sterne verdient.

Ein bisschen Kochen, ein wenig Ernährungskunde, wenigstens mal über Nachhaltigkeit gesprochen: Nach wie vor erhalten Schülerinnen und Schüler einen Zugang zu Lebensmitteln, ihrer Herkunft oder ihrer möglichen Verwendung – kurz: zu einem gesunden Lebenswandel – eher als wenig ausgeprägte Beilage des Lernplans.

Nicht so am Konrad-Duden-Gymnasium in Wesel. Hier kommt niemand am Herd vorbei. Und die große Mehrzahl will ihm auch gar nicht ausweichen, wie Sabine Schwarz-Schellewald weiß. Die aus dem Hotelgewerbe stammende Betriebswirtin und seit 2002 aktiv im Projekt „Europa-Miniköche“ Engagierte ist das, was man eine erfolgreiche Schul-Seiteneinsteigerin nennt. Seit nunmehr 17 Jahren ist sie am Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) für vieles rund ums Thema Ernährungsbildung zuständig.

Ihr bevorzugter Arbeitsplatz: der „Kochsalon“, den die Schule 2013 beim bundesweiten Wettbewerb „Klasse, Kochen!“ gewonnen hat. Ein Blick in den Raum, in dem locker 30 Personen kochen können, zeigt: Preiswert war die Einrichtung, die im Beisein von Starkoch Tim Mälzer als Pate und Jury-Vorsitzendem des Wettbewerbs eröffnet worden war, nicht. Aber unglaublich funktional. Vor allem aber: einfach schön. Farbenfrohe und fröhliche Kunstwerke der aus dem Westerwald stammenden Künstlerin Sonja Alhäuser zieren die Wände. Da kommt nahezu automatisch gute (Koch-)Laune auf.

Bon appétit! Fremdsprache am Herd lernen

Food Revolution Day 2015

Food Revolution Day von Jamie Oliver 2015: Squash it-Sandwiches angerichtet.© Stefanie Schellewald


Alle Aktivitäten, die das KDG in Sachen Ernährungsbildung auf den Weg gebracht hat, aufzuzählen, hieße den Rahmen eines jeden Berichtes zu sprengen. Darum in Stichworten: Erfolgreiche Teilnahme am bundesweiten Wettbewerb „Echt Kuh-l“, erste deutschlandweit als „School of Fish“ ausgezeichnete Schule, Beteiligung an der „Fairen Woche“.

Besuche regionaler Anbieter und Biohöfe sind für die Schülerinnen und Schüler ebenso selbstverständlich wie der Service, kleine Caterings zu übernehmen. Saatgut-Tage durchzuführen und vor allem die Einbindung des liebevoll genannten „Kochsalons“ in den Schulalltag sowie Koch-Arbeitsgemeinschaften zählen ebenso zum Angebot wie die Jour-fixe-Gruppen, die sich mittags zum gemeinsamen Kochen und Mittagessen verabreden, Präventionstage oder eben der fächerübergreifende Unterricht am Herd.

Japanisch Kochen

Vegetarisches Sushi: Kochsalon-typisches gemeinsames Essen (vor Corona).© Sabine Schwarz-Schellewald


So melden sich die Fremdsprachen-Fachlehrerinnen und -lehrer im „Kochsalon“ an, kochen mal lateinisch, spanisch, mal englisch, mal französisch: Bon appétit! Sprache lernen leichter gemacht. Wundert es da, dass das Gymnasium seit zwei Jahren Hauswirtschaft als Differenzierungskurs anbietet?

Wir schauen über den Tellerrand“

Ernährungsbildung ist halt mehr als Kochen. Das betont auch Sabine Schwarz-Schellewald. Im „Kochsalon“ können nicht nur Fremdsprachen gefördert, sondern auch mathematische Fähigkeiten trainiert werden, nicht nur, wenn es etwa um die Berechnung erforderlicher Zutatenmengen geht. Schwarz-Schellewald hebt außerdem den integrativen Charakter des gemeinsamen Kochens hervor, wie ihn alle Menschen kennen.

Auch Kochen mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien gehörte schon dazu. Das erweitert den gegenseitigen Horizont, weckt Verständnis, macht neugierig auf andere (Ess-)Kulturen – und Spaß. Etwa, wenn eine aus dem Iran stammende Mutter am Herd steht und den Kindern und Jugendlichen verschiedene Gewürze vorführt und erläutert. „Da schauen wir alle über den Tellerrand“, sagt Sabine Schwarz-Schellewald, die von Tochter Stefanie bei der Betreuung der Mittagskochgruppen durch Input von außen unterstützt wird.

Selbstverständlich kommen immer auch vegetarische und vegane Speisen auf den Tisch und lösen immer wieder Aha-Erlebnisse aus. Was durchaus auch für den Suppenverkauf zugunsten der Weseler Tafel gilt. Manch einem entlockte die Nachricht, dass das Gymnasium seit 2018 mehr als 1.000 selbstgekochte Suppen verkaufen und den Erlös spenden konnte, ein erstauntes: „Ooh“.

Kochsalon

Der „Kochsalon“: Unglaublich funktional - und einfach schön!

Kochsalon“: Ort des Austauschs und Aushängeschild

Und selbst unter den derzeitigen Bedingungen ist der „Kochsalon“ nicht geschlossen, sondern virtuell geöffnet und aktiv. Die Hauswirtschaftsgruppen und die Koch-AG werden immer zu den eigentlichen Unterrichtsstunden mit Material, Kochideen und Aufgaben versorgt und bereiten sich eigenständig auf die regelmäßig stattfindenden Webinare beziehungsweise „Kochchats“ vor. In diesen kochen alle bei sich zu Hause unter Anleitung der Lehrerin ein kleines Gericht.

Recherche im Supermarkt

Recherche für den Echt kuh-l!-Wettbewerb 2017: „Wissen wo's herkommt – Lebensmittel aus der Region“© Stefanie Schellewald


Darüber hinaus gibt es für die anderen Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, mit Kochideen und -anleitungen versorgt zu werden, sich mit anderen zu besprechen. Und das auch in den Ferien. Sabine Schwarz-Schellewald: „Unser Kochsalon ist zum Ort des Austausches geworden.“ Nicht nur über Rezepte…

Schulleiterin Karen Schneider weiß um die Bedeutung dieses Schwerpunktes: „Er ist in jeder Hinsicht ein Aushängeschild unseres Gymnasiums. Es gibt Schülerinnen und Schüler, die sich für uns entscheiden, weil sie kochen lernen möchten.“ Sie ist überzeugt, dass das Konsumverhalten der Schulgemeinschaft durch die Koch-Aktivitäten positiv beeinflusst wird. Das Nachdenken über Ernährung und gutes Essen präge alle. Die bei den „Fairen Wochen“ genutzten Produkte hätten viele überzeugt, und sie seien dabeigeblieben.

Es würde dem Konrad-Duden-Gymnasium nicht gerecht, es alleine auf die Thematik Ernährungsbildung zu reduzieren. Die 1342 gegründete Schule, die zu den ältesten Gymnasien Deutschlands zählt, zeichnet sich durch hohe Individualität bei der Förderung ihrer Schülerinnen und Schüler aus. „Wir sind keine Lernfabrik“, verspricht die Schulhomepage. Und wer sich die Angebote anschaut, wird feststellen, es handelt sich wahrlich nicht um Einheitsbrei, eher um ein attraktives Menü mit schmackhaften Beilagen.

Ganztag „immer die bessere Option“

Zum Menü zählt, dass das Weseler Gymnasium seit dem Schuljahr 2010/2011 und damit exakt seit einem Jahrzehnt auch Ganztagsschule ist. Alle Schülerinnen und Schüler nutzen das sogenannte flexible Ganztagsangebot an drei Tagen pro Woche von 8 bis 15.40 Uhr. An zwei Tagen schließen die Schulpforten um 13.15 Uhr. In Klasse 9 wird zusätzlich an einem weiteren Nachmittag Unterricht erteilt. Für die Klassen 5, 6 und 7 kann darüber hinaus an den Kurztagen die Schülerbetreuung „13 Plus“ bis 16 Uhr in Anspruch genommen werden. Außerdem gibt es für die Jahrgänge 6 bis 9 am Dienstagnachmittag individuelle, nicht verpflichtende Förderkurse.

Exkursion zur Erdbeerplantage

Exkursion zur Erdbeerplantage© Sabine Schwarz-Schellewald


Karen Schneider outet sich als klarer Fan des Ganztags: „Ich bin absolut überzeugt von den Vorteilen der Ganztagsschule. Sie ist immer die bessere Option.“ Ihrer Meinung nach steht und fällt der Ganztag mit der Qualität der Nachmittagsangebote. Die Umstrukturierung des Ganztags durch die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren nutzt das bilinguale Gymnasium zum Ausbau der Arbeitsgemeinschaften in der Mittelstufe. Diese Möglichkeit eröffnet sich, da dort insgesamt weniger Unterricht als bislang stattfindet.

Der Unterricht wird weitgehend in Doppelstunden erteilt. Diese „Entschleunigung“ eröffnet den Schülerinnen und Schülern mehr Zeit, den Unterrichtsstoff zu verarbeiten und Gelerntes zu üben. Dies geschieht auch in regelmäßigen Lernzeiten. Sie reduzieren die Hausaufgaben, auf die das Gymnasium mit MINT-Schwerpunkt nicht gänzlich verzichten will. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 können alle Lernaufgaben in der vom Fachlehrer oder der Fachlehrerin betreuten Lernzeit erledigt werden. In den folgenden Jahrgängen steigt die Zahl der Hausaufgaben kontinuierlich an. So soll das eigenständige Arbeiten, wie es in der Sekundarstufe II erwartet wird, gefördert werden.

Von der LiteraTour bis zum DudenOrchestra

Und weil Bildung im Konrad-Duden-Gymnasium sehr breit verstanden werden wird, wozu letztlich schon sein in Wesel geborener Namensgeber, der selbst Gymnasiallehrer war, verpflichtet, umfassen die Arbeitsgemeinschaften neben Kochen, Lesen, Werken oder Medienkompetenz immer auch zahlreiche kulturelle und musische, aber auch sportliche Angebote. Dazu geht das Gymnasium Bildungspartnerschaften mit außerschulischen Kooperationspartnern wie zum Beispiel mit der Musik- und Kunstschule der Stadt Wesel oder der Volkshochschule Wesel – Hamminkeln – Schermbeck ein.

Das DudenOrchestra kann man nicht nur in den Straßen von Wesel oder Xanten finden, sondern demnächst auch in Sydney im Rahmen des Musikaustausches mit einer australischen Schule. Der Theaterkurs des Gymnasiums wiederum „reist“ nach eigener Aussage durch die Theaterliteratur – von Molières „Don Juan oder Der Steinerne Gast“ und der modernen Variante von Max Frisch „Don Juan oder Die Liebe zur Geometrie“ bis zu Thornton Wilders „Wir sind noch einmal davongekommen“.

Schülerzeitung Konrad Liest

Cover der aktuellen Ausgabe der Schülerzeitung KONRAD LIEST© Fee Burow


Eine Besonderheit der Schule ist sicherlich die „LiteraTour am KDG“ in der Veranstaltungsreihe der Stadtbücherei „Wesel liest“, die seit 2006 unter Beteiligung von 40 Lehrkräften im Schulgebäude stattfindet. Gelesen wird dann – mit Musik und „Lesbar“ überall: im Kochsalon, im Fahrradkeller, im Schulgarten, auf dem Sportplatz, in der Mensa, ja sogar in den Toiletten, im Treppenhaus und im Schulleiterzimmer. Stadtbüchereileiter Wolfgang Berg sorgt dafür, dass jede einzelne Lesung auch vom jeweiligen Verlag genehmigt ist.

... den einen oder anderen Stern verdient

Das KONRAD LIEST- Team

Das KONRAD LIEST- Team© Noah Wegner


„Zirkus Butterfly“, eine Instanz der Schule, die vor fast drei Jahrzehnten von Englisch- und Sportlehrer Klaus Schoch gegründet worden war, bietet unter Leitung von Florian Bertling und Dorothee Seesing-Kirfel regelmäßig Vorstellungen in und um Wesel. Auftrittsort war aber auch schon die Landeshauptstadt Düsseldorf. Und beim jährlichen Drachenbootrennen auf dem Auesee ist immer mit vorderen Plätzen der „KDG Dragons“ und der „Bizeps Ballerinas“ zu rechnen.

Eine Konkurrenz zu örtlichen Vereinen und Jugendgruppen wird im Ganztagsangebot des Gymnasiums bewusst vermieden. Fünft- und Sechstklässler, die nicht das schulinterne AG-Angebot wahrnehmen, können alternativ den Nachweis über die Teilnahme an Nachmittagsangeboten bei einem Kooperationspartner erbringen, sei es in einem der zahlreichen Weseler Sportvereine oder bei den Pfadfindern. Auch das trägt dazu bei, dass das „Menü Schule“ am Konrad-Duden-Gymnasium mundet und den einen oder anderen Stern verdient.


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