Wesel: Abstand? Das KDG macht Theater mit dem Megaphon

NRZ; 25.06.2020

Wesel. Roberto Zucco, Bernard-Marie Koltès Mörderstück, ist sicher nie so aufgeführt worden, wie jetzt am Weseler Konrad-Duden-Gymnasium.

Der Schulhof des Konrad-Duden-Gymnasiums ist an diesem Abend ausgestattet mit knapp 100 Stühlen, die im vorgeschriebenen Corona-Abstand aufgestellt sind. Unter maximal erschwerten Bedingungen inszenieren die Schüler mit ihrem Lehrer Jörg Detmold ein Theaterstück, mit dem der französische Dramatiker Bernard-Marie Koltès zu einem der exponiertesten Autoren des französischen Theaters avancierte.

Morden ohne ersichtlichen Grund – das faszinierte den Autor

„Roberto Zucco“, so der Titel seines letzten Werkes, basiert auf einem Kriminalfall, der über die Grenzen Frankreichs hinaus für großes Aufsehen gesorgt hatte. Inspiriert wurde Koltès durch ein Fahndungsplakat, mit dem der Italiener Robert Succo, der zunächst seine Eltern ermordete, später Raubüberfälle, Vergewaltigungen und mehrere Tötungsdelikte verübte, gesucht wurde.

Ihn habe die Grundlosigkeit der Taten, das Fehlen eines erkennbares Motivs fasziniert, so Koltès, der in seinem Stück nichts erklärt; die Morde entziehen sich einer plausiblen Logik. Aber gerade in der absichtslosen, gleichsam reinen, unverfälschten Tat wird Succo für Koltès zum Helden.

Jeder Kursteilnehmer hatte seine Aufgabe – nicht unbedingt auf der Bühne

Gut, dass mit Jörg Detmold ein erfahrener Lehrer den Kurs, der über ein Jahr als Schulfach angelegt ist, begleitet. Er ist auch ausgebildeter Regisseur und hat dieses Stück bereits mehrfach inszeniert. Ziel sei es gewesen, eine an der Theaterwirklichkeit orientierte Lernsequenz zu verwirklichen.

Das bedeutete, die 27 Teilnehmer auf ein allgemein akzeptiertes Stück zu verpflichten, was nach einiger Diskussion auch gelang. Es galt auch, 27 verschiedene Rollen und Aufgaben perfekt auf die Fähigkeiten, Wünsche und Interessen der Schüler zu verteilen.

Wer keine längere Sprechrolle hatte, kümmerte sich um die Herstellung der Programmhefte, der Plakate und die technische Ausstattung. Immerhin ging es auch um die Noten am Schuljahresende. Die „Zuverlässigkeit bis zum Anschlag“ war für ihn ein herausragendes Element des Kurses, so Jörg Detmold. Nur so konnten die coronabedingten Einschränkungen – vorübergehende Schließung der Schule – gemeistert werden.

Arbeit mit dem Megaphon verlangt besondere Sprech- und Atemtechniken


In den vergangenen zwei Monaten habe man fast täglich geprobt, auch am Wochenende und an Feiertagen. Ein zusätzliches Dilemma, mit dem das Ensemble des Theaterkurses zu kämpfen hat, bestand darin, sich nun auf dem weitläufigen Gelände des Schulhofes verständlich machen zu können.

Und so benutzen die Akteure jeweils ein Megaphon, was ihre Sprech- und Atemtechnik vor neue Herausforderungen stellt. Schauspielerische Elemente konnten so nur bedingt zum Tragen kommen. Gerade deshalb waren die Leistungen des gesamten Ensembles bemerkenswert.

Celina Ackermann, Mitglied des Ensembles, brachte das Dilemma auf den Punkt und bezeichnete die coronabedingte Fassung des Stückes als „die Destruktion der originären Version“ und beklagte zu Recht: „Der Moment der Nähe und der Interaktion mit dem Zuschauer bleiben auf der Strecke.“


Quelle: NRZ

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