Mehrheit für zweite Gesamtschule steht

RP, 03.05.2018

Wesel. Die SPD verspricht, dass sich bei Gymnasien und der Realschule-Nord nichts ändert. Die FDP plant ein Bürgerbegehren. Von Klaus Nikolei

Auch wenn sich die Politik zum Thema Gründung einer zweiten Gesamtschule eigentlich erst in der Sitzung des Schulausschusses am 17. Mai äußern wollte, dürfte die bislang nur hinter verschlossenen Türen diskutierte Angelegenheit schon so gut wie entschieden sein. Denn SPD, Grüne und Linke - die zusammen eine Mehrheit im Weseler Rat haben - machten gestern deutlich, dass nur eine zweite Gesamtschule das Problem lösen könne, dass wirklich alle Kinder den von ihnen gewählten Schulplatz erhalten. Und deshalb soll - jedenfalls aus Sicht von SPD und Linken - schon im Juni der Rat ein entsprechender Entschluss gefasst werden. Die Grünen sind da etwas zurückhaltender, wollen sich mit der Entscheidung etwas mehr Zeit lassen.

Wie berichtet, hat die bereits achtzügige Gesamtschule am Lauerhaas aktuell mehr als 20 Viertklässlern mit Hauptschulempfehlung eine Absage erteilt. In Wesel können die Mädchen und Jungen nur von der Realschule-Nord aufgenommen werden, da diese, laut Schulgesetz, verpflichtet ist, auch einen Hauptschulzweig anzubieten.

Während also für das "linke Bildungsbündnis" der Fall klar ist, sehen auf der anderen Seite die CDU, die Fraktion Wir für Wesel (WfW) und die FDP eine zweite Gesamtschule mehr als kritisch. Alle warnen sie vor vorschnellen Entscheidungen, fordern Zahlen und Fakten und Alternativvorschläge von Experten. Das hatten CDU und FDP auch schon vor drei Jahren gefordert, als SPD & Co. das Auslaufen von Martini-Hauptschule und Realschule Mitte sowie die Aufstockung der Gesamtschule auf acht Züge durchgedrückt hatten. FDP-Fraktionschef Peter Berns erklärte gestern, dass man nun eine Bürgerbeteiligung initiieren werde, um die Meinung der Bevölkerung abzufragen.

Für SPD-Fraktionschef Ludger Hovest steht die Sache indes fest: "Denn es gibt zu der zweiten Gesamtschule keine Alternative." Dass es für zwei Gesamtschulen nicht genügend Grundschüler mit einer gymnasialen Empfehlung geben wird, sieht er nicht als Problem. "Da muss die Oberstufe der Lauerhaas-Gesamtschule mit der Oberstufe der neuen Gesamtschule halt kooperieren", so Hovest. Für ihn ist klar, dass die Gesamtschul-Dependance in der Innenstadt (Gebäude der Realschule Mitte) die "Keimzelle" der neuen Schule sein werde, die im August kommenden Jahres an den Start gehen müsse. Die beiden Gymnasien und die Realschule-Nord würden in ihrer Existenz nicht gefährdet, bekräftigt Hovest. Damit widerspricht er Befürchtungen, die das Duden-Gymnasium in einem Brief an die Bürgermeisterin und an die Politik geäußert hat.

Die CDU hat ihre bekannte Kritik am Auslaufen der Hauptschule und der Realschule Mitte gestern erneuert. "Und wir sind nicht gut beraten, vorschnelle Entscheidungen zu treffen", so Fraktionschef Jürgen Linz. Die schulpolitische Sprecherin der CDU, Daniela Staude, ergänzt: "Die einseitige Betrachtung zugunsten der Gesamtschulform bringt uns nicht weiter, wenn wir das Wohl aller berücksichtigen wollen. Der uneingeschränkte Fortbestand der beiden Gymnasien und der Duden-Realschule darf nicht gefährdet werden, denn auch hier spiegelt sich der Elternwille eindeutig wider."

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