Erinnerung an die Industrialisierung des Mordes

Wesel. Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus organisierten Schülerinnen und Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums am Samstagnachmittag eine bewegende Gedenkfeier im Weseler Dom. Nach der kurzen Begrüßung aller Anwesenden, insbesondere Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Schulleiterin Karen Schneider und dem Vorsitzenden des christlich-jüdischen Freundeskreises, Wolfgang Jung, berichtete Pfarrer Dr. Christoph Kock von der Vergangenheit: „Seit 2007 begehen wir in Wesel diesen Gedenktag. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in Auschwitz und den Raum voller Koffer erinnern. Jeder Koffer gehörte jemandem. Die heutige Veranstaltung verbindet alles, was sich nicht in Worte fassen lässt und im Mittelpunkt steht dabei ein Koffer – und alles, was die Menschen auf dem Weg in ihre Vernichtung mitbrachten.“ Zunächst lasen einige Schülerinnen und Schüler Schilderungen und Gedanken derjenigen vor, die deportiert wurden.

Zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus organisierten Schülerinnen und Schüler des Konrad-Duden-Gymnasiums am Samstagnachmittag eine bewegende Gedenkfeier im Weseler Dom. Nach der kurzen Begrüßung aller Anwesenden, insbesondere Bürgermeisterin Ulrike Westkamp, Schulleiterin Karen Schneider und dem Vorsitzenden des christlich-jüdischen Freundeskreises, Wolfgang Jung, berichtete Pfarrer Dr. Christoph Kock von der Vergangenheit: „Seit 2007 begehen wir in Wesel diesen Gedenktag. Ich kann mich noch gut an meinen ersten Besuch in Auschwitz und den Raum voller Koffer erinnern. Jeder Koffer gehörte jemandem. Die heutige Veranstaltung verbindet alles, was sich nicht in Worte fassen lässt und im Mittelpunkt steht dabei ein Koffer – und alles, was die Menschen auf dem Weg in ihre Vernichtung mitbrachten.“ Zunächst lasen einige Schülerinnen und Schüler Schilderungen und Gedanken derjenigen vor, die deportiert wurden.

Am Ende ihres kurzen Vortrags legten sie dann Gegenstände in einen braunen Koffer – darunter Briefe, Stift und Papier oder auch eine Puppe. Es waren teils Berichte über die Gewalt, unter der die Juden leiden mussten. Da war beispielsweise eine Weseler Familie mit einer Mutter, die vor den Augen ihrer sieben Kinder erschossen wurde.

Nicht aufhören, zu erinnern

Der Begriff „judenfreies Dingden“ in einer Verkündung von damals klang dabei ganz fremd. Musikalisch gestalteten die Schülerinnen und Schüler die Veranstaltung unter anderem mit der ergreifenden Titelmelodie des Films „Schindlers Liste“, mit Geige und Klavier. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp rekapitulierte die Ereignisse der damaligen Zeit und erläuterte: „Seit 2010 beteiligen wir die Schulen an der Gestaltung dieses Tages und bisher war es immer sehr emotional. Das Auseinandersetzen mit diesem Teil der Geschichte dient auch der Eindämmung des Risikos, dass so etwas noch einmal passiert.“ Sie bekräftigte: „Die Erinnerung an den Holocaust darf nicht aufhören!“

In einem selbstgedrehten Film wurde der Koffer gezeigt, der durch die Stadt getragen wird und an jedem Stolperstein mit einem Namensschild gefüllt wird. Die Überlebende Eva Weyl richtete darin einige Worte an die Zuschauer: „Uns wurde ein ganz normaler Alltag vorgegaukelt. Und dann hatten wir keine Chance. Alles vorbereitet, wahre Mordfabriken. Und diese Industrialisierung des Mordes ist es, was den zweiten Weltkrieg von den anderen Kriegen unterscheidet.“ Mit ihrer Version von „Sound of Silence“ sorgten zwei Schüler für Gänsehaut. Nach einigen Informationen zum sogenannten Davidstern und zu seiner Herkunft wurde ein Text über eine wunderschöne, sternenklare Nacht vorgelesen. Alle Anwesenden sollten daraufhin die gelben Pappsterne, die am Eingang ausgeteilt wurden, „erheben und leise bewegen“. Dann sollten sie wieder gesenkt werden, weil „all die Sterne nicht den Hass und die Diskriminierung ausdrücken können, die die Juden erfahren mussten“. Es entstand ein gekonnt inszeniertes Wechselspiel, das die Besucher fesselte – mit dem Abschluss, dass „nicht alles nur Elend“ ist und ein Stern „Hoffnung schenken“ und „den Weg zeigen“ kann. Eine gekonnte Überleitung zum Lichtergang, der die Teilnehmer der Veranstaltung zum Mahnmal am Dom führte.

Merle Häring

Quelle NRZ

Quelle RP


Folgende Filme wurde vom Zusatzkurs der Q2 des Konrad-Duden-Gymnasiums
unter der Leitung von Herrn Kempkes erstellt. Der Kurzfilm wurde auf der
Gedenkveranstaltung zur Befreiung von Auschwitz am 27.01.2018 im
Willibrordi-Dom in Wesel gezeigt.

Externe Youtube-Links:

Beitrag Konrad-Duden-Gymnasium Holocaustgedenktag 2018

Komplettes Interview mit Zeitzeugin Eva Weyl (Inhaftiert im KZ Westerbork)

Holocaust-Gedenken: KDG-Schüler rücken Deportation in den Fokus

RP, 17.01.2018

Wesel. Am Samstag, 27. Januar, wird im Willibrordi-Dom der Auschwitz-Befreiung gedacht. Weit über 100 junge Leute des Konrad-Duden-Gymnasiums haben an der Vorbereitung des Programms mitgewirkt. Von Fritz Schubert

1933 lebten in Wesel 152 Menschen jüdischen Glaubens. Zehn Jahre später kein Einziger mehr. Manchen war die Auswanderung oder Flucht in die Sicherheit gelungen. Viele aber teilten das Schicksal Millionen anderer Juden und Opfer des NS-Regimes und wurden ermordet. Zwei Daten stehen auch in der Weseler Erinnerungskultur für jene Epoche: die Pogromnacht vom 11. November 1938 und die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, die sich am Samstag, 27. Januar, zum 73. Mal jährt. Zum Gedenken gibt es ab 14 Uhr eine Veranstaltung im Willibrordi-Dom, die diesmal von jungen Leuten des Konrad-Duden-Gymnasiums (KDG) gestaltet wird.

Bürgermeisterin Ulrike Westkamp sowie Wolfgang Jung und Paul Borgardts vom Jüdisch-Christlichen Freundeskreis Wesel zollten bei der Vorstellung des Programms gestern dem Engagement aller weiterführenden Schulen der Stadt Respekt. Sie wechseln sich bekanntlich jährlich mit der Organisation des Gedenkens ab. So kommen ganze Schülergenerationen mit dem Thema in Berührung. Weit über 100 Mädchen und Jungen des KDG, so Schulleiterin Karen Schneider, haben fachübergreifend an der Vorbereitung mitgearbeitet. Gut 50, darunter die Mitglieder des Orchesters, werden am 27. Januar an der Veranstaltung aktiv mitwirken. Schwerpunkt ist die Deportation. Gedanken, Hoffnungen und Ängste der Betroffenen sollen vermittelt werden. Geschichtslehrer Ralf Kreuziger zeigte dazu einen 100 Jahre alten Koffer, der symbolisch eine durchgängige Rolle spielen wird.

Flora Hübert (14) und Nico Steger (17) berichteten von zwei Kernpunkten. So wurde zum einen im Stadtarchiv nach Texten gesucht, deren Vortrag die Empfindungen der Deportierten zum Ausdruck bringen. Zum anderen haben sich Schüler mit den Wegen von Wesel übers niederländische Lager Westerbork nach Riga befasst. Sie stießen auf die aus Kleve stammende Holocaust-Überlebende Eva Weyl, interviewten sie und machten einen Film, in dem auch die Stolpersteine für aus Wesel über Westerbork deportierte Juden vorkommen.

In der Rolle der Moderatoren und Unterstützer bei den Proben für das Gedenken im Dom sehen sich Pfarrer Christoph Kock für die Hausherrin, die Evangelische Kirchengemeinde Wesel, sowie Pastoralreferent Martin Bußmeier für die Katholische Kirchengemeinde St. Nikolaus Wesel. Im Anschluss wird es einen Lichtergang mit Kranzniederlegung am jüdischen Mahnmal geben. Karen Schneider hält es übrigens für günstig, dass die Feier auf einen Samstag fällt. So hätten auch viele Eltern und andere Interessierte Gelegenheit, teilzunehmen.


Quelle


Jugend hält die Erinnerung lebendig

Von Johannes Kruck NRZ, 17.01.2018

Wesel. Wolfgang Jung vom Jüdisch-Christlichen Freundeskreis Wesel sagt mit Blick auf den internationalen Holocaust-Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Amee im Jahr 1945: „Erinnerung ist eine Verpflichtung.“ Seit dem Jahr 2007 wird auf Initiative des Freundeskreises in der Hansestadt an diesen Tag erinnert – und ab dem Jahr 2010 beteiligten sich auch offiziell die weiterführenden Schulen an der Gestaltung dieses Tages.

Wolfgang Jung vom Jüdisch-Christlichen Freundeskreis Wesel sagt mit Blick auf den internationalen Holocaust-Gedenktag zur Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Amee im Jahr 1945: „Erinnerung ist eine Verpflichtung.“ Seit dem Jahr 2007 wird auf Initiative des Freundeskreises in der Hansestadt an diesen Tag erinnert – und ab dem Jahr 2010 beteiligten sich auch offiziell die weiterführenden Schulen an der Gestaltung dieses Tages.
Diesmal ist das Konrad-Duden-Gymnasium an der Reihe. Über 100 KDG-Schüler
engagieren sich bei den Vorbereitungen und an der Durchführung der Gedenkveranstaltung, die am Samstag, 27. Januar, um 14 Uhr im Willibrordi-Dom beginnt. Anschließend folgt ein Lichtergang zum Mahnmal und dort eine Kranzniederlegung. Schwerpunkt wird diesmal der Aspekt „Deportation“ sein, der sich wie ein roter Faden durch die Veranstaltung ziehen wird.

„Fächerübergreifend wird an dem Thema gearbeitet – unter anderem im Kunst-, Religions-, Deutsch- und Musikunterricht“, erläutert Ralf Kreuziger. Der Lehrer des KDG hat einen Koffer aus den 40er Jahren organisiert, der symbolisch für die Deportation stehen soll. Die 14-jährige Schülerin Flora Hübert war mit ihren Mitschülern im Archiv und hat dort zum Thema Deportation Literatur gesucht und „Hoffungen, Gefühle und Wünsche“ der Deportierten herausgeschrieben. Oberstufenschüler Nico Steger (17) hatte mit seinem Sozialwissenschafts-Kurs sogar die Möglichkeit, die ehemalige Gefangene Eva Weyl zu interviewen. Dazu haben die KDG-Schüler einen Film produziert.

Respekt und Bewunderung
Einige Jugendliche werden auch diesmal wieder bei der zentralen Gedenkveranstaltung im Dom mitwirken. „Mein voller Respekt und Bewunderung für das, was die Schüler dabei in den vergangenen Jahren geleistet haben“, lobt der Vorsitzende des Jüdisch-Christlichen Freundeskreises. „Die Schüler halten so die Erinnerung lebendig.“ Doch auch ohne die Kirchen wäre dieses Gedenken so nicht möglich, ergänzt Wolfgang Jung. Außerdem zeige das große Engagement der Stadt, dass die Erinnerungsarbeit in Wesel „hoch angesiedelt“ sei. Bürgermeisterin Ulrike Westkamp betont, dass es von Beginn an wichtig gewesen sei, Jugendliche mit in den Gedenktag einzubeziehen: „Junge Leute und Schüler
beschäftigen sich dadurch intensiv mit der deutschen Geschichte.“ Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass es vor dem Holocaust in der Hansestadt eine lebendige jüdische Gemeinde gab: „1933 lebten in Wesel 152 Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens. Ende 1943 gab es in Wesel keinen jüdischen Bürger oder jüdische Bürgerin mehr.“ Grund waren zunächst hauptsächlich Auswanderung und Flucht, von 1940 bis 1943 die Deportationen in die Konzentrationslager. Westkamp: „Viele der ehemals in Wesel lebenden Jüdinnen und Juden wurden ermordet.“

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