G8-Reform: Gymnasien setzen auf Ruhe

 

Wesel. Nach den Empfehlungen des Runden Tisches gehen Konrad-Duden- und Andreas-Vesalius-Gymnasium die Dinge mit Bedacht an. Orientiert an ihren Zielen haben sie schon einiges verändert. Die Aufgabe ist allerdings eine permanente.

Dr. Heinzgerd Schott ist erleichtert: Für die Gymnasien soll es bei der verkürzten Schulzeit bleiben. Ein "Rein und wieder raus" wäre nicht gut gewesen, sagt der Direktor des Konrad-Duden-Gymnasiums (KDG). Und es sei sinnvoll gewesen, die bestehenden Kritikpunkte zu erörtern und Lösungen anzudenken. Er und seine Kollegin am Andreas-Vesalius-Gymnasium (AVG), Dorothée Brauner, sehen ihre Schulen in diesem Prozess schon auf einem guten Weg.
Die strittige Diskussion über acht oder neun Schuljahre (G8 oder G9) verkürzt Sachverhalte. Es sei ja zum Glück nicht so, dass man "die Zeit in der Schule absitzt, und danach beginnt das Leben", sagt Dorothée Brauner. In der Schule fänden auch viele Dinge statt, "die für die Schüler schön sind". Natürlich müsse Schule Kompetenzen vermitteln, um Studium und Beruf zu meistern. Aber es müsse auch Zeit bleiben für die Unterstützung beim Erwachsenwerden.
Für die Persönlichkeitsentwicklung sei es wichtig, "den eigenen Interessen nachgehen" zu können. Weder sture Leistungsorientierung, noch die reine Spaßgesellschaft - das rechte Maß zu finden und zu organisieren, ist ein wichtiges Lern- und Lebensziel. Nach diesen Grundsätzen zu arbeiten, sei ein steter schulischer Prozess, so die AVG-Direktorin. Die aktuellen Empfehlungen des Runden Tisches hinsichtlich Hausaufgaben, Klassenarbeiten oder Nachmittagsunterricht sind da ein Rahmen.
Bei G8 sei "an manchen Stellen Druck entstanden", sagt Dr. Schott. Der werde insbesondere bei den Jahrgängen acht und neun, teils auch sieben empfunden - in der schwierigen Phase der Pubertät. Die frühere Klasse zehn gab Zeit, dies quasi auszugleichen. Nach der eiligen Einführung von G 8 mussten sich die Schulen da was einfallen lassen. Erst jetzt gibt es neue Kernlehrpläne für die Oberstufe.

So haben AVG und KDG selbsttätig an Stellschrauben gedreht. "Wir sind seit langem dabei zu optimieren", sagt Dorothée Brauner. "Wir haben den Alltag ein Stück entlastet." In den Klassen fünf und sechs gebe es außer den freiwilligen MINT- und Bläserklassen keinen, in den Klassen sieben bis neun einmal wöchentlich Nachmittagsunterricht und dann keine Hausaufgaben. Der Schulschluss sei um eine Stunde auf 15.45 Uhr vorverlegt worden. Das Konzept sei nicht fertig, aber sie habe "nicht den Eindruck, dass unsere Schüler gestresst wären".
Das KDG hat mit seinem Modell der Kooperation mit Vereinen, von der Hälfte der Schüler wahrgenommen, quasi schon vorgebaut. Die Erfahrungen mit den betreuten Hausaufgaben in der Schule seien positiv, sagt Dr. Schott. Die Klassenarbeiten würden nicht gleich schlagartig reduziert, aber Schule entwickele ohnehin neue Formen des Lernens und der Leistungsnachweise - weg von der kritisierten Stoffmenge, hin zu qualitativem, methodischem Lernen und zu vielfältigen Formen der Präsentation von Ergebnissen. Da sei seine Schule schon ganz gut aufgestellt. Der Austausch unter den Lehrern zwecks organisatorischer und inhaltlicher Abstimmung müsse, auch mit Hilfe moderner Technologie, intensiviert werden.
Beide Schulleiter betonen, dass der Forderung nach Räumen für ehrenamtliches Engagement der Schüler und dessen ausdrückliche Anerkennung bereits entsprochen werde - bis hin zur Freistellung vom Unterricht.
Quelle: jo

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