Zwischen Algebra und Abwurf

 

Portrait Niklas Lübcke: Zwischen Algebra und Abwurf

NRZ

10.07.2013 | 16:10 Uhr Besonders montags muss Niklas ganz schnell die Schul- gegen die Sporttasche eintauschen.Foto: Gerd Hermann Fußball ist seine Leidenschaft. Aber viermal die Woche Training und fünfmal wöchentlich gar nach Bochum und zurück? Und das alles neben der Schule? Niklas Lübcke, 13-jähriger KDG-Schüler, hat sich entschieden: für die U 15 des VfL, für den Nachwuchs des Zweitligisten, für ein Sprungbrett zur Profi-Karriere vielleicht. Als Talent galt der C-Jugend-Torhüter des PSV Lackhausen schon lange. Die Vereine halten ständig Ausschau schon nach noch jüngeren Spielern. Der MSV Duisburg hatte Niklas ebenso ins Visier genommen wie Schalke, Mönchengladbach und Borussia Dortmund. Nach Probetrainingsterminen haben die Schalker und Gladbacher gemeint, der Junge habe gute Anlagen, sei für ihren Nachwuchs-Kader aber noch nicht reif. Die Bochumer, Duisburger und Dortmunder sahen das einige Zeit später anders. „Die hätten mich alle genommen“, sagt er. Warum er sich nicht für den BVB entschieden hat? Das lag vor allem an Marco Knoop. Bei dem hat er seit dem Sommer vergangenen Jahres bereits in Bochum trainiert - einmal die Woche. Viel gelernt hat er von ihm, und ganz prima haben sie sich verstanden. Dann kam Red Bull und hat den Torwarttrainer nach Leipzig abgeworben. Niklas war enttäuscht und zauderte. Doch nach Dortmund? Aber auf dem VfL-Gelände war der Weseler schon ein bisschen heimisch, kannte andere Spieler. Und: Sein Vater ist nicht nur VfL-Fan, sondern arbeitet in Bochum und kann ihn von dort nach Hause mitnehmen. Zum Wechsel empfahl sich Niklas noch einmal: Mit seinem PSV-Team gelang ihm der Aufstieg in die Niederrheinliga und der Sieg im Kreispokal. In Bochum wird Niklas in Sachen Torwart umfassend geschult. Zum einen in einer Gruppe von meist fünf Torhütern, in der er Abwurf-Techniken lernt oder „wie man zu bestimmten Bällen hingehen sollte und wie man die Füße halten muss“. Zum anderen auch im Training mit der kompletten Mannschaft, deren Spieler aus einem Umkreis von rund 100 Kilometern nach Bochum kommen und teils bereits von Firmen gesponsert werden. „Die haben unheimlich viel Ahnung“ Neuer U 15-Trainer ist Marc Auf dem Kamp als Nachfolger des früheren Bundesliga- und Nationalspielers Christian Wörns. „Die haben da unheimlich viel Ahnung und taktisch einfach mehr drauf“, sagt Niklas. Krafttraining kommt hinzu. Die schöne neue PSV-Anlage in Ehren, aber die Dimensionen in Bochum sind auch räumlich andere. Ab August holt ihn ein Fahrdienst des VfL jeweils am Nachmittag zu Hause ab. Wenn er dann einen langen Schultag hat, geht beides fast nahtlos ineinander über. „Montags bin ich nach der Schule zwei Minuten zu Hause“, sagt er. Dreieinhalb bis vier Stunden Zeit beansprucht das Training inklusive Fahrerei. Mit der Schule - demnächst in Klasse neun - klappe es für ihn als „normalen Schüler“ gut, so der 13-Jährige. Niklas wird ab Mitte September in der Regionalliga West gegen den Nachwuchs der Liga-Vereine aus Köln, Düsseldorf oder Gladbach antreten - jedes zweite Spiel im Wechsel mit einem anderen Torhüter. Die Vorbereitung dafür beginnt am 5. August mit einem Trainingslager in Frankfurt und Testspielen gegen die jungen Eintrachtler und Hoffenheimer. Einen weiteren Test gibt es am 10. August in Enschede gegen Twente. Schon jetzt pendelt Niklas - seit zweieinhalb Wochen, um in Bochum Grundlagen- und Ausdauer-Training zu betreiben. In der Schule ist es vor den Ferien etwas ruhiger. Der Härtetest kommt später. PSV-Fan will er auf jeden Fall bleiben. Seit er im vergangenen Sommer als „EM-Experte“ für die NRZ im Einsatz war, hat Niklas körperlich einen weiteren „Schuss“ gemacht: 1,82 Metermisst er inzwischen. „Für den Profi-Fußball ist das zu klein“, sagt er. Die Dortmunder wollten wissen, wie groß er noch wird, und der Handgelenk-Test gibt ihm Hoffnung: 1,87 bis 1,97 Meter lautet die Prognose. Joachim Freund

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