Mit G 8 gibt es immer noch Theater

 

Das gehört zu Schule dazu: Das Weihnachtsmusical um „Artaban“, das am Montag aufgeführt wird, hat am Konrad-Duden-Gymnasium Kult-Status. Manche fürchten um Schulkultur und Freiräume.

Wesel. Leistungsdruck, keine Zeit für Dinge außerhalb der Schule - die Kritik an der Schulzeitverkürzung hält an - auch acht Jahre nach der Einführung. Kürzlich erst hat eine landesweite Initiative die Wiedereinführung der früheren neun Jahre gefordert. Wie läuft’s am Weseler Konrad-Duden-Gymnasium? Das Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) hat am Phänomen G 8 gearbeitet und tut es weiterhin. Ein eigenes Modell wurde entwickelt. Trotzdem sei „alles immer noch sehr unausgegoren“, findet Schulpflegschaftsvorsitzende Dr. Elfriede Ehlers.

Knall auf Fall sei die Verkürzung verkündet worden, ohne ausreichende Prozesse des Übergangs und der Anpassung von Lehrinhalten, lautet eine häufige Kritik, die KDG-Direktor Dr. Heinzgerd Schott teilt. Mühsam müssen die Gymnasien sich selbst helfen. Erst jetzt gibt es eine Oberstufen-Reform, die ab Sommer greifen soll. Wie reif sollen Schüler sein? Was sollen Schüler am Ende ihrer Schulzeit können? Wie „reif“ sollten sie sein? Das Ziel, so Dr. Schott, heiße „Studierfähigkeit“. Wissenschaftspropädeutisches Arbeiten, die selbstständige Auseinandersetzung mit abstraktem Material, systematisches Denken, geistige Beweglichkeit sind Fähigkeiten und Eigenschaften, die dafür vermittelt werden sollen. Das passt kaum zu dem häufigen Vorwurf, die Schulpraxis bestehe aus rein pragmatischem „Pauken, Anwenden, Vergessen“. Hier besteht tatsächlich eine Schwierigkeit: Wenn ein Schüler der Jahrgangsstufe neun 13 Fächer zu bewältigen hat, wie am KDG, kann man eine solche Haltung zumindest teilweise nachvollziehen.

Der Übergang zur Oberstufe hat sich als das größte Problem erwiesen, sagt der Schulleiter. Daran sei zu arbeiten. Das KDG hat für die Klassen acht und neun teils Projekt- statt Klassenarbeiten eingeführt. Das ist nicht vorgesehen und ging nur mit Genehmigung der Schulaufsicht - zunächst als Testlauf für drei Jahre. Es zeigt, dass sich „von unten“ was bewegen lässt.

Kompetenz als Richtwert „Wir können nicht den Universalgelehrten hervorbringen“, sagt Dr. Schott. Kompetenzen vermitteln, lautet die Zielsetzung, die auch die Oberstufenreform anvisiert. Eine Breitband-Qualifikation fürs Leben, könnte man sagen, der die Lehrstoff-Auswahl entsprechen soll. Beispielsweise im Fach Geschichte die exemplarische Gewichtung von Epochen und Ereignissen danach, inwiefern sie Erkenntnisse für das Verständnis unserer heutigen Gesellschaft liefern. Das Lernen erfolgt nicht nur über Fächerinhalte. Es vermittelt sich auch über Menschen, ist geprägt vom Umgang miteinander. Zum „Reifungsprozess“ gehört auch, mit unterschiedlichen Typen umgehen zu können. Bestimmte Dinge, wie Handy oder Internet, durchziehen den Schulalltag, aber auch andere sollen thematisiert werden, weil von Schule erwartet wird, in immer mehr Bereichen vorbeugende Instanz zu sein. Nicht wenige der 85 Lehrerinnen und Lehrer des Konrad-Duden-Gymnasiums empfinden dies als Druck.

Das KDG habe mit seinem Ganztagsmodell Voraussetzungen für das Funktionieren von G 8 geschaffen, sagt Schulleiter Dr. Schott. Es habe „eine hohe Akzeptanz“. Mehr als 50 Vereine und andere Einrichtungen sind dabei Kooperationspartner. Die schon früh einsetzende qualifizierte Förderung und Kontrolle bei den Hausaufgaben sind Bestandteile, mit denen das KDG einer allgemeinen G 8-Kritik begegnet.

Unmut bei Schülern und Eltern

Schulpflegschaftsvorsitzende Dr. Elfriede Ehlers hat den Vergleich: Ihre beiden Töchter haben das Gymnasium noch neun Jahre lang besucht, ihr Sohn erlebt jetzt G 8. Inzwischen laufe die verkürzte Form ganz gut, aber es gebe „einen gewissen Unmut bei Schülern und Eltern“, weil an den Differenzierungsfächern „immer noch herumgebastelt“ werde und etwa bilinguale Angebote oder solche wie Sport und Ernährung weggefallen seien. Durch den Ganztag mit Nacharbeiten (Lernzeiten) in der Schule statt Hausaufgaben lernten die Schüler nicht, „sich regelmäßig zu Hause etwas zu erarbeiten“. In der Oberstufe werde das zum Problem. Hinzu komme, dass ab Klasse zehn das nachgearbeitet werden müsse, „was in den ersten Jahren nicht geschafft wurde“. Das fehlende Jahr mache sich auch darin bemerkbar, dass die Schüler „noch nicht so reif“ seien wie ihre G 9-Vorgänger, wenn sie sich für ihre Oberstufen-Schwerpunkte entscheiden müssen. Und: Auslandsaufenthalte, heute noch wichtiger als früher, ließen sich kaum noch verwirklichen.

Lehrer gleichen aus

Schülersprecherin Hannah Grüttgen (Klasse 12) spricht von einem harten Einstieg für die Fünftklässler, viel Stress in Verbindung mit außerschulischen Dingen, findet aber, dass man das alles hinkriegen kann; zumal die Lehrer verständnisvoll und flexibel reagierten und die Rahmenbedingungen (neue Aufenthaltsräume) verbessert worden seien. Man lerne diszipliniertes, organisiertes Arbeiten. „Wir werden dazu erzogen, schnell erwachsen zu werden.“
„Das eine Jahr Unterschied zu G 9 merkt man manchmal, aber am Ende nicht mehr“, sagt der Schulleiter. Aber G 8 bleibe eine Aufgabe. Gerade auch im ersten Jahr Oberstufe: „Da müssen wir noch lernen.“ Joachim Freund

Quelle: Mit G 8 gibt es auch nach acht Jahren noch Theater | WAZ.de

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