Milan Skusa

 
01.07.2013, NRZ Joachim Freund 

Wesel.  Von der Geschichte „Das ungenutzte Klavier“ kennt man zig Folgen. Dies ist eine weitere. Es ist zugleich die Geschichte eines ungewöhnlichen Jungen, der als jüngster Kirchenmusiker weit und breit im Dom die Orgel spielt.

Milan Skusa war zehn, als seine Familie in Obrighoven einen englischen Studenten zu Gast hatte. Kurz vor seiner Abreise zeigt der junge Mann von der Insel, was er klaviertechnisch drauf hatte. Auf dem Klavier, das halt da stand, weil Vater eigentlich mal hatte lernen wollen, es zu spielen, über ein bisschen Klimpern aber nie hinaus gekommen war.

Milan aber wollte mehr. Er war gepackt. Kinderchor, Blockflöte kannte er, aber Klavier war besser. Nach privatem Einzelunterricht ging er mit elf zur Musikschule. Er war nicht nur gelehriger Praktiker, sondern auch wissbegierig, was hinter der Musik steckt. „Warum klingt das so? Was hat der Komponist sich dabei gedacht?“ fragte er und schrieb selbst kleine Musikstücke. In den Ferien ging’s mit der Familie häufig ins Ferienhaus nach Ihlow in Brandenburg, wo die Pianistin Marion Rothschild sein Talent förderte. Das Ganze gipfelte - vorläufig - im Landessieg und einer Platzierung als Bundespreisträger beim Wettbewerb „Jugend musiziert“.

Milan wohnt quasi neben der Kirche, bei der sein Vater als Jugendleiter arbeitet. „Die Orgel hat mir schon immer vom Klang her gut gefallen“, sagt er über sein Interesse an diesem anderen Instrument. Er nahm Kontakt zum Organisten auf, informierte sich - und hatte ein Probleme: Er war zu klein, um mit den Füßen an das Pedal zu gelangen. Was ihn nicht davon abhielt, bei Domkantor Ansgar Schlei Unterricht zu nehmen. Er würde schließlich noch wachsen.

Das war vor drei Jahren. Milan liebte die Orgel, mit ihren verschiedenen Manualen, ihren Möglichkeiten, ihrer Klangvielfalt. Bach und Mozart mag er besonders, ohne genau sagen zu können warum. „Wenn er hier in der Kirche ist und übt, zieht er alle Register“, sagt seine Mutter.

Organisten sind für die Kirche nicht leicht zu finden. Milan machte bei ihrem Nachwuchs-Wettbewerb erfolgreich mit und entschloss sich, den C-Schein als Kirchenmusiker zu machen. Zwei Jahre lang. Einmal monatlich in einer kleinen Gruppe von Interessenten aus dem Kirchenkreis, dazu kamen vier- bis sechstägige Seminare mit Teilnehmern aus dem gesamten Rheinland in Bonn und Wuppertal. Weil er erst 13 war, war eine Sondergenehmigung nötig. „Wenn es in der Schule aufs Abi zugeht, habe ich dazu keine Zeit mehr, nach der Schule vielleicht keine Lust“, lautete sein Argument.

Komplex und anstrengend war das: Tonsatz, Gehörbildung, Orgelkunde, Kirchenmusikgeschichte, Theologie und Hymnologie waren Bestandteile. Viele der Teilnehmer sprangen ab. Milan nicht. Er schaffte die Prüfung, das Orgelspiel mit Bestnote. Obwohl aus Versehen sein Notenbuch zuklappte.

Einmal die Woche Klavierunterricht, einmal Orgel, hin und wieder Einsätze wie jüngst beim Hochzeitsgottesdienst - und dazwischen? Die Schule leide nicht, sagt der Neuntklässler am KDG. Als „Ausgleich“ hat er in den Ferien das Fotografieren für sich entdeckt, kleine Filme gemacht, als Computer-Freak eine Woche Sommerakademie bei SAP absolviert. Irgendwas davon will Milan vielleicht mal beruflich nutzen. Damit das Leben mit 15 ja nicht langweilig wird, spielt er demnächst in der Schul-Big-Band. Seine Mutter staunt: „Ich wundere mich, was er an einem Tag schafft.“

© 2020 Konrad-Duden-Gymnasium Wesel. All rights reserved.