Googeln oder nachschlagen?

 

An den Schulen sind Bücher Pflicht. Aber mehr und mehr wird virtuell gelernt

Wesel. Brockhaus macht’s nicht mehr: Die berühmte Enzyklopädie wird nicht länger gedruckt. Kein Wunder, mag man da meinen, wo doch schon Grundschulkinder per Tablet-PC lernen. Nehmen Schüler noch freiwillig ein Nachschlagewerk in die Hand?

Das Schulbuch ist Pflicht. Noch jedenfalls. Am Andreas-Vesalius-Gymnasium treten Netbooks an seine Seite. Es gibt ein Handy-Verbot. Aber wenn sich im Unterricht eine Informationslücke auftut, triumphiert das etliche Schülerleben bestimmende Smartphone wenigstens für einen Moment. Dann darf einer oder eine nach dem Gesuchten googeln.

In Klasse fünf und sechs lernen die AVG-Schüler am Methoden-Tag die Stadtbücherei kennen. Einmal die Woche dürfen sie dort anschließend nach Wissen stöbern. Nick (13) findet das Internet praktischer. Nachmittags, bei den Hausaufgaben, wäre sein Weg von Lackhausen zur Bücherei aufwendiger. Sein Klassenkamerad Jan hat ein Musik-Plakat für den Unterricht gestaltet und Informationen über den Rapper Eminem aus dem Netz geholt. Mit welchem gängigen Haus-Lexikon wäre das möglich?


Lernen per Buch wie auch virtuell: die AVG-Schüler Jan Grunewald, Nicole Broma, Jonas Marquardt und Nick Korthauer (von links).Foto: Markus Joosten


Ihre 17-jährigen Mitschüler Jonas und Nicole, die demnächst aufs Abitur zusteuern, achten auf die Seriosität von Quellen sowie auf die Verwendung von Zweitquellen. Es mache sich dabei gut, Fachbücher anzuführen, sagt Jonas.

Bei Facharbeiten werde Wikipedia nicht akzeptiert, so AVG-Lehrer Christian Karus. Er erlebt, dass Schüler im Internet dokumentierte Themen vorschlagen und mitunter sogar wortwörtlich dort abschreiben. Sein Kollege André Steffans wählt „bewusst auch mal Themen aus, über die man nichts findet, damit nicht nur was zusammengeschrieben wird.“

An Wikipedia scheiden sich die Geister unter den Lehrern am Konrad-Duden-Gymnasium, weiß Ann-Kathrin, demnächst in Klasse 9. Sie selbst hält es. für einen ersten Überblick okay.. Felix, ein Jahr weiter als sie, greift bei der häuslichen Diskussion am Mittagstisch zum Lexikon: Das sei geselliger. Und Vanessa braucht neben dem PC auch „das Rascheln der Seiten beim Umblättern“.

Nach den Sommerferien erhalten alle KDG-Oberstufenschüler freien Zugang zum schuleigenen W-Lan-Netz - „eine Aufweichung unseres Handy-Verbots“, wie Lehrer Olaf Göhmann einräumt. Über so genannte IP-Adressen der Schüler könne „verantwortungsloser Umgang im Internet ganz schnell auffliegen“, meint Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott. In fünf Jahren, schätzt der E-Book-Nutzer, könne die Schule quasi „buchfrei“ sein.

Joachim Freund und Anna-Lena Kortenbusch

(NRZ, 20.07.2013)

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