Kusselkopp konnten wir

 

Sportlehrerin Sabrina Mulrain über motorische Fähigkeiten der Schüler. Die Frau war mal ziemlich schnell. Ihre Bestleistungen: 60 Meter in 7,41 Sekunden, 100 Meter in 11,54 Sekunden, 200 Meter in 22,73 Sekunden.

WESEL/RHEINBERG. Olympionikin war sie auch: Im Jahr 2000 startete Sabrina Mulrain in Sydney und wurde Sechste mit der 4 mal 100 Meter-Staffel. 1997 schaffte sie einen Doppel-Erfolg: Junioren-Europameisterin über 200 und über 4 mal 100 Meter. Heute ist die Sprinterin aus Rheinberg Lehrerin für Geografie und Sport am Konrad-Duden- Gymnasium in Wesel.
Wenn sie von ihrer sportlichen Vergangenheit erzählt, erkennt der Zuhörer rasch, dass ein Teil ihres Herzens an der Tartanbahn haften blieb damals, bei diesem blöden Missgeschick 2001, als ihr die Archillessehne riss... „Mein Vater hatte diesen Lauf gefilmt.“, sagt die 33-Jährige und blickt für Sekundenbruchteile ins Leere. Doch sie lächelt schon wieder, als sie sagt:„Den Film hab' ich mir immer noch nicht angesehen.“ Wie auch immer: Sabrina Mulrain ist angekommen als engagierte Lehrkraft, die ihre Schüler mag, aber diese auch fordert.

Frage: Wie steht’s heutzutage mit der Motorik der Kids?
„Die Jugendlichen wollen sich heute teilweise nicht mehr quälen“, meint Mulrain. Viele scheiterten an der Herausforderung, den inneren Schweinhund zu überwinden. „Die Null-Bock-Einstellung nimmt immer mehr zu!“ -so die Einschätzung der Frau, die 1996 in Sydney Junioren-Weltmeisterin wurde und auch nach ihrer Verletzung, im Jahr 2005, noch mal den dritten Platz über 200 Meter bei der Deutschen Meisterschaft holte. Sabrina Mulrain sieht „Probleme in der Körper-Koordination“ bei vielen Schülern. Im Unterricht wurde die lange Bank umgedreht, die Kids sollten auf der unteren Strebe balancieren.„Schwierig!“, sagt die Lehrerin rücksichtsvoll. Genau wie eine Rolle vorwärts:„Kusselkopp konnten wir als Kinder alle!“ Von der aktuellen Schülergeneration kann sie das nicht sagen. Eher dies: „Die sitzen alle zu oft vor dem PC!“ . Einen Mitschüler aufzufangen, der sich von einem Kasten langsam rückwärts fallen lässt, sei für Fänger und Fallenlasser eine echte Hürde. Mulrain: „Die haben nix in den Armen!“ Und: Körperspannung: Fehlanzeige! Ihre Empfehlung: Weg von Facebook - geht öfter raus zum Spielen!

Tanzen kommt gut an!
Grundsätzlich positiv sieht die Lehrerin, dass (zumindest am KDG) in der zehnten Klasse wieder drei statt zwei Stunden Sport auf dem Stundenplan stehen. „Tanzen im Unterricht macht den Schülern Spaß, bei HipHop und Zumba machen besonders die Mädchen gerne mit!“, sagt die 33-Jährige. Dann wieder die Einschränkung: „Bei der Wahl von „Sport-diff“ vertun sich manche: Die finden das erst cool und wundem sich dann, dass 50 Prozent des Unterrichts aus Theorie bestehen. Auch so ein Kritikpunkt: Mit der Disziplin hapert es bei vielen Kids, meint Sabrina Mulrain. Die Rheinbergerin hat 2007 Schluss gemacht mit dem Leistungssport. Doch die sportlichen Leistungen ihrer Schüler sind ihr nicht gleichgültig. Was würde man auch sonst erwarten von Einer, die kurz vor dem Ende ihrer Karriere nochmal fast die Quali für die Olympischen Spiele in Helsinki geschafft hätte?
Dirk Bohlen, in DER WESELER vom 7.3.2012

? ZUR PERSON
Sabrina Mulrain, Geboren am 10. Juni 1978 in Rheinberg
Realschule/Abitur in Moers
Studium in Essen (Sport/ Biologie, 4 Semester)
Studium in Tübingen/ Baden-Württemberg (1./2. Staatsexamen, Referendariat)
Seit 2009 am Konrad- Duden-Gymnasium Wesel (Fächer: Geografie, Sport)
Hobbys: Freunde treffen, Kino, Lesen, Shoppen, Leichtathletik
Interessen: Australien, Florida, Hawaii

 

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