Judenverfolgung riss Lücken

 

Tag der Auschwitz-Befreiung: KDG-Schüler gestalteten im Willibrordi-Dom ein würdiges Gedenken und nahmen interessierte Gäste mit auf eine Stadtführung zur Suche nach Spuren der Weseler Juden.

VON CORNELIA KRSAK in RP vom 28.1.2012
WESEL „Auschwitz - mit diesem Ort verbindet sich, was nur schwer in Worte zu fassen ist“, sagte Pfarrer Christoph Kock. Mit einer Gedenkstunde im Willibrordi-Dom wurde gestern an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz vor 67 Jahren am 27. Januar 1945 erinnert. Vorbereitet und gestaltet wurde die Gedenkfeier von Jungen und Mädchen des Konrad-Duden-Gyrnnasi-ums. Welche Bedeutung hat der Holocaust heute? Ist das Gedenken an das grausamste Kapitel deutscher Geschichte noch zeitgemäß? Mit einem klaren „Ja“ antwortete darauf Bürgermeisterin Ulrike Westkamp. Eine von der Bundesregierung in Auftrag gegebene Studie habe gezeigt, dass Antisemitismus, Rechtsextremismus und Rassismus in Deutschland nach wie vor verbreitet sind.
  „Judenfeindliche Einstellungen sind in erheblichem Umfang in der deutschen Bevölkerung verankert“, so Westkamp. Es mache fassungslos, dass die Zwickauer Terror-Zelle jahrelang kaltblütig morden konnte, ohne entdeckt zu werden. Umso wichtiger sei die lebendige Erinnerung an und die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte.
Symbolisches Puzzle
  Die Judenverfolgung in Wesel stellten die Gymnasiasten als großes Puzzle dar. Für jeden Namen eines deportierten und ermordeten Bürgers und für jedes verschwundene Gebäude, wie die 1938 zerstörte Synagoge, brachen sie ein Puzzleteil symbolisch aus dem We-sel-Schriftzug heraus. Besonders hervorgehoben wurde der ehemalige KDG-Schüler Erich Leyens, der ein Textilgeschäft am Großen Markt führte und als einziges Mitglied seiner Familie den Holocaust überlebte. Die Schüler stellten bildhaft dar, dass die Wurzeln des Baumes Christentum im Judentum liegen.
  Musik von Hans-Günther Bothe an der Orgel, lyrische Texte und Friedenslieder auf Hebräisch leiteten zum zweiten Teil der Gedenkfeier über: Mit brennenden Kerzen zogen die Teilnehmer zur Kranzniederlegung am Mahnmal für die Opfer des Holocaust.
Wie konnte es zur Denunziation,. Diskriminierung und zum Töten kommen? Wie zur Zerstörung demokratischer Strukturen in nur wenigen Jahren? Fragen, auf die auch Wolfgang Jung keine Antworten wusste. „Die Verantwortung liegt bei uns, dass sich das niemals wiederholt“, betonte der Vorsitzende des Jüdisch-Christlichen Freundeskreises. Im Anschluss bestand die Möglichkeit, sich im Rahmen einer Stadtführung auf die Spurensuche nach jüdischem Leben in Wesel zu begeben. Auch die hatten die Schüler entwickelt. Im kommenden Jahr will das Andreas-Vesalius-Gymna-sium das Gedenken gestalten.

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