Der Aufstiegs-Amerikaner

 


Esel ist typisch Wesel. Und natürlich der Rhein. Für Paul Munn (19) aus Colorado geht in vier Wochen ein bewegendes Austauschjahr zu Ende. Mit etwas Glück steigt er mit dem PSV Wesel sogar noch in die Kreisliga B auf. Ein Porträt. VON JULIA LÖRCKS in RP vom 26.5.2012



WESEL In vier Wochen, am 21. Juni ist Schluss. Dann steigt Paul Munn wieder ins Flugzeug. Sein Ziel Colorado, der Bundesstaat im westlichen bis zentralen Teil der USA. Gerne geht er nicht. Denn Wesel, die Hansestadt am unteren Niederrhein, ist sein zweites Zuhause geworden. Möglich gemacht hat’s Familie Oberender aus Wesel. Dort lebt Paul Munn seit September im Rahmen eines parlamentarischen Austauschprogramms. Und er genießt die Zeit. „Ich habe ein Stipendium bekommen, das war mein größtes Glück“, sagt Munn. Seine Deutschkenntnisse sind hervorragend. Und das war auch das Ziel des jungen Mannes.



Spargel ist sein Lieblingsessen



Bereits in der Elementary School (vergleichbar mit der Grundschule) lernte Munn Deutsch. „Ich habe eine richtig gute Lehrerin gehabt“, berichtet er. Für ihn Grund genug weiterzumachen. Als er dann auch noch erfahren hat, dass Verwandte in Norddeutschland leben, war es um Munn geschehen. Nach einem Besuch mit der Familie war er mit dem Deutschland-Virus infiziert und bewarb sich um ein Stipendium. Mit Erfolg. Paul Munn kam nach Wesel.

Und die Stadt am Rhein ist so anders als die allgemeinen Vorstellungen der Amerikaner. „Wer in Amerika über Deutschland redet, der redet über Bier, Dirndl und Weißwurst“, sagt Munn. Das galt es zu ändern. Für ihn ist nun Schnitzel typisch deutsch und Esel typisch Wesel. „Und der Rhein natürlich“, sagt der 19-Jährige. Den wird er so schnell nicht mehr vergessen, schließlich ging es mit Rad und Gastfamilie von Rotterdam stromaufwärts Richtung Wesel. „Das war cool", so Munn. Weitere Höhepunkte: der Ausflug mit seiner Gastschwester Sophia zum Hamburger Hafen und der Ski-Urlaub in Österreich. Sein Lieblingsessen ist derweil der niederrheinische Spargel. „In den USA gibt es nur grünen."

Doch es sind nicht nur die Ausflüge, Reisen und Spezialitäten, die ihm die deutsche Kultur nähergebracht haben, es sind vor allem die Menschen - allen voran Familie Oberender. Und die Klassenkameraden vom Konrad-Duden-Gym-nasium natürlich. Und die Mitspieler beim PSV Wesel, in dessen dritter Mannschaft er kickt. „Ich habe ein paar richtig gute Freunde gewonnen. Und mit etwas Glück steigen wir sogar noch in die Kreisliga B auf“, sagt Munn. Das entscheidende Spiel findet am Sonntag, 3. Juni, um 13 Uhr im Stadion am Molkereiweg in Wesel statt.

Bis dahin möchte er aber erst einmal München entdecken. Dieses Wochenende geht es los. Und zum Abschied stehen noch einmal vier Tage Berlin auf dem Programm. „Dort gibt es eine Abschlussrunde vom Austauschprogramm, bei der unter anderem auch der Bundestag besucht wird“, sagt Munn. Zurück in Amerika möchte Munn einen Ingenieur-Studiengang, wahrscheinlich Maschineribau, an der Portland State University (Oregon) belegen. Und danach geht es irgendwann auch wieder zurück nach Deutschland.



INFO: Austausch-Stipendien



Das wohl bekannteste Stipendium ist das Parlamentarische Patenschafts Programm (PPP) des deutschen Bundestages. EF und Langenscheidt vergeben auch Vollstipendien für die USA. Dann gibt es noch AFS und YFU, die Austauschprogramme in mehr als 40 Länder anbieten. Lions und Rotary haben auch Angebote.

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