Nach dem Abi Friedensarbeit

 

Vier Abiturienten des Konrad-Duden-Gymnasiums starten in den nächsten Wochen in ein neues Leben: Im Ausland engagieren sie sich in sozialen Projekten. Und: Autorin informiert Oberstufenschüler über das Leben Dudens.

VON KLAUS NIKOLEI in RP vom 29.6.2011

WESEL Die meisten der 124 Abitu­rienten des Weseler Konrad-Du­den-Gymnasiums werden ab Herbst studieren oder eine Lehre beginnen. Nach Wegfall von Wehr­- beziehungsweise Zivildienst eine logische Entscheidung. Doch es gibt auch einige, die sich bewusst anders entschieden haben und für mehrere Monate ein ganz neues Le­ben in einem anderen Land führen werden - um anderen zu helfen und Lebenserfahrung zu gewinnen.

„Wenn nicht jetzt ins Ausland, wann dann?" Julia Appels aus Flü­ren hat ein Top-Abi gemacht. Schnitt: 1,0. Medizin will sie studie­ren - wenn sie zurück ist aus Ghana. Mit Hilfe der Organisation „Travel works" wird die 19-Jährige fünf Mo­nate in einem Waisenhaus arbeiten, in dem Kinder von zwei bis 14 Jah­ren leben. „Die Kleinen waschen, das Frühstück vorbereiten, etwas Mathe und Englisch unterrichten - das werden meine Aufgaben sein", sagt Julia, die durch eine Freundin von dieser Form der Freiwilligenar­beit erfuhr und sich mit Ghana be­wusst ein Land ausgesucht hat, „in dem die Menschen Hilfe besonders nötig haben".

Ebenfalls in Afrika leben und ar­beiten wird ab Mitte September Matti Henning. Im Rahmen des vom Bundesministerium für wirt­schaftliche Zusammenarbeit geför­derten Freiwilligendienstes „weltwärts" wird der Weseler ein Jahr lang im Mini-Staat Malawi auf einem Campus leben, in dem Grund­schullehrer ausgebildet werden. In einer Integrativen Klasse, in der 15 unter ADHS leidende Kinder und Autisten unterrichtet werden, „werde ich alles machen, was an­fällt." Er macht sich keine Illusio­nen darüber, dass er im „ärmsten Land der Welt", in der Aids ein riesen Problem ist, „sehr schlimme Dinge" sehen wird. Aber sein Entschluss steht fest: „Ich habe mein Leben lang in einer konsumorien­tierten Gesellschaft gelebt und da­von profitiert. Nun möchte ich da­von etwas zurückgeben."

Ebenfalls mit Autisten, allerdings mit Erwachsenen, beschäftigt sich Hannah Bisdorf bei ihrem freiwilli­gen Friedensdienst in Israel für die Evangelische Kirche im Rheinland. Die engagierte Abiturientin aus Mehrhoog wird unweit von Tel Aviv ein Jahr lang in einem Wohn­heim mit 18 Autisten tätig sein.

Beispiel der Mutter gefolgt

Vor 30 Jahren war Eva Chiwaeze für die „Aktion Sühnezeichen Frie­densdienste" in den USA. Tochter Nora (20) wird es ihr gleichtun. Sie fliegt für ein Jahr nach New York, wo sie für die jüdische Interessenorga­nisation American Jewish Committee tätig sein wird. „Nach einem Be­such in KZ Buchenwald stand für mich fest, als Deutsche Versöh­nungsarbeit zu leisten", sagt Nora.

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