Konrad-Dudens unstetes Leben

 
 
Im Bühnenhaus referierte Horst Schroeder, Kenner des Vaters der Deutschen Rechtschreibung, über die Jugend und ersten Berufsjahre von Konrad Duden und förderte dabei Erstaunliches zutage. Als 17-Jähriger brach Duden sein Studium ab und arbeitete als Hauslehrer. VON MARTHA AGETHEN in RP vom 14.10.2011

WESEL Horst Schroeder ist ein Fachmann, wenn es um den Vater der Deutschen Rechtschreibung geht (siehe Info). Am Mittwoch referierte der 85-Jährige im Bühnenhaus über Konrad Duden und förderte dabei Erstaunliches zutage. Der berühmte Sohn der Stadt muss bei aller pädagogischen Qualifikation ein eher unstetes Leben geführt haben - einer, der trotz vieler Brüche im Leben immer wieder auf die Füße fiel und es bis zum Gymnasialdirektor brachte.

Großvater war Bürgermeister

Überraschend ist auch, dass Duden offenbar zunächst wenig mit dem Fach Deutsch zu tun hatte, sondern eher die alten Sprachen bevorzugte. Während seiner Ausbildung als Philologe musste er mehrfach Geld als Hauslehrer verdienen und das Studium, das er als 17-Jähriger begonnen hatte, abbrechen. Immerhin lernte Duden dabei so viel Englisch, dass er später in Soest sogar eine diesbezügliche Lehramtsprüfung bestand. Als Hauslehrer kam Duden viel herum und lernte seine spätere Frau Adeline Jakob am Bodensee kennen. „Liebe auf den ersten Blick“, vermutete Schroeder. In Soest erwarb er die facultas docendi bis zur Oberstufe, für das Fach Deutsch allerdings nur bis zur Mittelstufe.

Geboren wurde Konrad Alexander Friedrich Duden auf Gut Bossigt am 3. Januar 1829 als eines von acht Geschwistern. Bilder aus Kindheit und Jugend konnte Horst Schroeder nicht beibringen, die damaligen Daguerreotypien seien für die Familie Duden zu teuer gewesen. „Konrads Jugend war nicht sehr freudenreich“, meinte Experte Schroeder. Der Junge machte dennoch in Wesel Abitur. Ein Glücksfall: Die Familie seines Vaters, eines Branntweinbrenners, verarmte, und Konrad kam ins Waisenhaus. Man bot ihm den Platz im Gymnasium an. Der Vater wechselte Berufe und Wohnorte wie das sprichwörtliche Hemd, lebte später am Entenmarkt, in der Rhein- und Niederstraße. Die Vorfahren hingegen waren respektable Leute gewesen, ein Großvater Dudens war sogar Bürgermeister.

Das Abiturzeugnis verweist auf Konrads Fleiß. Lebhaft schilderte Schroeder die 16 anstrengenden Abiturprüfungen morgens um sieben Uhr. Schließlich bestand Konrad trotz fehlender Semester in Bonn das Examen, lehrte in Soest, wurde ab 1869 in Schleiz Gymnasialdirektor und wechselte sieben Jahre später in dieser Funktion zum königlichen Gymnasium Hersfeld. Mit 76 Jahren wurde er auf eigenen Wunsch pensioniert, lebte bis zu seinem Tod am 1. August 1911 in Sonnenberg/Wiesbaden.

INFO: Horst Schroeder
Horst Schroeder ist Geschäftsführer der Historischen Vereinigung Wesel. Der pensionierte Lehrer für Latein, Deutsch und Geschichte wirkte 37 Jahre lang am Konrad-Duden-Gymnasium und gilt als Fachmann, was den Vater der Deutschen Rechtschreibung, Konrad Duden, angeht.
Unter anderem erinnerte Schroeder an die Gedenkveranstaltung 1961 im Bühnenhaus mit Bürgermeister Kurt Kräcker, Bundesfinanzminister Franz Etzel und Massen von Oberprimanern der beiden Gymnasien. Zur damaligen Enthüllung von Findling und Steintafel in Lackhausen meinte Schroeder allerdings: „Da wird es Konrad Duden, der vom Himmel aus zuschaute, etwas unbehaglich zumute gewesen sein, denn er war kein Professor wie angegeben.

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