Kicken am Zuckerhut

 

Kicken am Zuckerhut mit Elber

Klara Ventz aus Blumenkamp erfüllt sich einen Traum: Heute fliegt sie nach Brasilien, um dort die Tochter von Giovane Elber zu treffen und am Strand zu trainieren. Klara hofft auf ein Treffen mit dem Ex-Bundesliga-Star.
VON KLARA VENTZ in RP vom 24.12.2011
WESEL Weihnachten war für mich bislang immer die Zeit, in der man Plätzchen backt, Geschenke einkauft und mit der Familie Adventsmärkte besucht. Doch in diesem Jahr ist alles anders. Heute Abend werde ich in ein Flugzeug steigen, das mich nach Brasilien bringt. Denn am Zuckerhut werde ich zusammen mit Camilla Giovane de Souza Fußball spielen - ein einmaliges Weihnachtsgeschenk. Camilla hat einen berühmten Vater: Giovane Elber, der von 1994 bis 1997 beim VfB-Stuttgart Teil des „magischen Dreieckes war“ und später auch für den FC Bayern München in 169 Spielen 92 Tore geschossen hat.

Die Kehrseite: Zum ersten Mal in 17 Jahren werde ich Weihnachten nicht daheim in Wesel sein. Also nicht mit meiner Familie in die Kirche gehen, nicht mit ihr zusammen Essen, nicht bei der Bescherung dabei sein. Das alles habe tausche ich ein gegen mein besonderes Geschenk - fern der Heimat, bei fremden Leuten.

„Du bist doch wahnsinnig!“

Viele meiner Freunde und fast meine gesamte Verwandtschaft haben doch recht verwundert auf meine Weihnachtsplanung reagiert. Die Verwunderung gipfelte in den Ausruf: „Du bist doch wahnsinnig!“ Zu widersprechen traue ich mich nicht. Denn ich weiß ja selbst, dass es eine ziemlich verrückte Aktion ist. Doch irgendetwas in mir treibt mich an, dahin zurückkehren, wo ich eine unvergessliche Zeit hatte. In den Sommerferien habe ich über den Rotary Club Wesel-Dinslaken an einem Kurzaustausch teilgenommen und war eineinhalb Monate in Brasilien. Zuvor war meine Gastschwester Marilia vier Wochen hier bei uns in Blumenkamp. Die Zeit in Südamerika hat mich unglaublich verändert.

Für mich wichtige Dinge weiß ich viel mehr wertzuschätzen. Zum Beispiel meine Familie oder, dass ich in einem der entwickeltsten Länder weltweit aufwachse und mir keine Sorgen vor Hunger oder einer perspektivlosen Zukunft machen muss. Wegen dieser für mich wichtigen Erfahrungen und wegen der liebenswerten Menschen freue ich mich, dass ich nun nach Brasilien zurückkehre. Unvergesslich für mich war beispielsweise die Geburtstagsfeier eines Freundes, bei der ich Camilla Giovane de Souza kennengelernt habe und die mir von ihrem Vater und dessen Zeit als Fußballprofi in Deutschland erzählt hat. Klar, dass Camilla auch in Deutschland zur Schule gegangen ist. Mir selber sagte der Name Elber damals noch gar nichts, obwohl ich bis vor zwei Jahren bei den Mädels vom SV Hamminkeln gekickt habe. Camilla hat mir angeboten, ihren Vater zu treffen. Leider ist es aber noch nicht zu diesem gekommen.

 

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