Ein Weseler zeigt Berlin

 

Ursprünglich ging der Weseler Jochen Wiesenberg für ein Studium nach Berlin - und blieb. Mittlerweile ist er Stadtführer und bringt Besuchern aus aller Welt die deutsche Hauptstadt nahe.

VON ISABELL HÜLSER in RP vom 15.8.2011

WESEL/BERLIN „Im Oderbruch, sech­zig Kilometer von Berlin, ist es fast wie am Niederrhein", stellt Wahl-Berliner Jochen Wiesenberg fest. Er muss es wissen, schließlich kennt der 43-Jährige, der unsere Haupt­stadt bei Stadtführungen Gästen aus aller Welt näher bringt, beides wie seine Westentasche.

Mit vier Jahren kam der gebürtige Niedersachse mit seinen Eltern nach Wesel, verbrachte hier seine Kindheit und Jugend, bevor er sich für ein Leben in Berlin entschied. Die niederrheinische Landschaft vermisst er dort nicht allzu sehr. „Um Berlin rum sieht es aus wie am urwüchsigen Niederrhein", so Wie­senberg. Radtouren über perfekte Deich-Radwege sind auch im Oder­bruch möglich - ein Stück Heimat nahe der Hauptstadt.

Seit Mauer-Zeiten fasziniert

Seine Liebe zu Berlin rührt aus der Zeit der Mauer, deren Bau sich am Samstag zum 50. Male jährte. „Mein Vater stammt aus Dresden, als Kind sind wir oft für einen Tag nach Ostberlin gefahren und haben uns da mit der Familie meines Va­ters getroffen", erklärte er die „Light-Variante" eines DDR-Be­suchs. Damit verbunden waren auch stets ein paar Tage Aufenthalt in Westberlin. Seitdem fasziniert ihn die Stadt.

Nach dem Abi am Konrad-Du­den-Gymnasium 1987 und dem Zi­vildienst im Marien-Hospital wollte er unbedingt in Berlin studieren, Biologie sollte es sein. Die Wartezeit auf den Wunschstudienplatz über­brückte er mit einer Ausbildung zum chemisch-technischen Assis­tenten in Aachen. 1992 erhielt er schließlich den gewünschten Platz. „Ich fand aber Biologie und die Stu­diererei grauenhaft und hab es sein gelassen", sagt der 43-Jährige. Ein­geschrieben blieb er trotzdem. An­fangs aus Verlegenheit entschied er sich für Niederländische Philologie, Spanische Philologie kam später hinzu. Damit verbunden waren auch Auslandsaufenthalte in Spa­nien, trotzdem kam er immer gerne nach Berlin zurück.

„Ich habe mir mein Studium als Fahrradkurier, als freier Journalist und als Taxifahrer finanziert. Da kommt man viel rum und lernt die Stadt kennen", so Wiesenberg. Hin­zu kamen Limousinen- und Chauf­feurfahrten. Wegen seiner Fremd­sprachenkenntnisse kam schließ­lich ein Angebot. „Ich wurde ge­fragt, ob ich Stadtführungen ma­chen möchte", erinnert er sich an seine Premiere im Jahr 2000. Nach seinem Studienabschluss 2001 und ein wenig Frustration im Job kam er übers Wochenende nach Blumen­kamp zu seinen Eltern und antwor­tete auf eine Stellenanzeige in der RP.  Die nächsten Jahre verbrachte er die Winter in Spanien, in den Sommermonaten blieb er den Ber­liner Stadtführungen treu. „Irgend­wann hatte ich keinen Bock mehr auf das viele Reisen und bin ganz nach Berlin zurück gegangen", so Wiesenberg. Seit 2007 ist er selbst­ständiger Unternehmer im Stadt­tourismus und lebt mit seiner Freundin und Sohn Samuel (20 Mo­nate) in Berlin-Pankow. Ob sie ir­gendwann gemeinsam an den Niederrhein gehen, weiß er noch nicht. Aber wenn mal Heimweh aufkom­men sollte, hilft eine Radtour im „niederrheinischen" Oderbruch.

INFO: Einzelunternehmer

BuenaVista Guide Berlin Jochen Wiesenberg bietet als selbststän­diger Einzelunternehmer neben Stadtrundfahrten auch geführte Radtouren auf Niederländisch so­wie Fahrten für exklusive Gäste per Limousine an.

Geschichte Natürlich kommt hier auch die deutsche Geschichte nicht zu kurz. „Ich hatte bis jetzt leider noch keine Gäste vom Nie­derrhein", bedauert er. Informatio­nen unter: www.bvgb.de

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