Brasiliens warme Kultur

 

RP-Mitarbeiterin Klara Ventz aus Wesel nahm über die Rotarier an einem Kurzaustausch in Brasilien teil. In der RP berichtet die 17-jährige, was sie im Land erlebt und welche Menschen sie kennengelernt hat.

VON KLARA VENTZ in RP vom 6.9.2011

WESEL/ BRASILIEN Samba, Fußball, Caipirinha: Diese drei Dinge ver­binden die Meisten mit Brasilien - doch das Land hat so viel mehr zu bieten. Mitte Juli bin ich mit meiner Gastschwester Marilie nach Londrina gereist, wo sie zusammen mit ihren Eltern, Antonia und Angela, ihrer Schwester Livia (12) und ih­rem Bruder Bruno (19) wohnt. Zu­vor war Marilie vier Wochen in We­sel zu Gast - ein Kurzaustausch, er­möglicht durch den Rotary Club.

Eisbein ist eine Delikatesse

Bis vor wenigen Tagen lebte ich im Staat Paraná, im Süden Brasi­liens. Direkt vor der Haustür in Londrina befindet sich ein Teil eines riesengroßen Sees, um den jeden Tag eine Menge Leute joggen, mit dem Hund spazieren gehen oder Fahrradfahren. In einem Land, das fast so groß ist wie Europa, gibt es zahlreiche unterschiedliche Kultu­ren. So sind die Menschen im ar­men Nordosten mit ihrem Frohsinn und Humor als die gastfreund­lichsten bekannt. Dort gibt es auch die wahrscheinlich schönsten Strandlandschaften, zum Beispiel im Staat Bahia. In der Mitte Brasi­liens erstreckt sich das riesige Ama­zonas-Gebiet, in dem man bei einer Piranha-survival-TourUnvergessliches erleben kann. Der südöstliche Teil des Landes ist am Besten entwi­ckelt. Dort liegt Rio de Janeiro - be­kannt für Karneval und schöne, Samba tanzende Frauen. Oder auch Sao Paulo. Mit über zehn Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt Brasiliens und das siebtgrößte Bal­lungsgebiet der Welt.

Es gibt nicht den „typischen Bra­silianer" mit dunklen Locken, brau­nen Haaren und dunkler Haut. Das liegt wohl daran, dass viele auslän­dische Vorfahren haben. Zum Bei­spiel aus Italien, Spanien, Japan oder auch aus Deutschland. Oft habe ich Jugendliche getroffen, die ein wenig Deutsch sprechen oder sogar Deutschunterricht nehmen. Was wohl auch daran liegt, dass Deutschland als eins der „best ent­wickeltsten und einflussreichsten Länder Europas" gilt.

Häufig kamen Menschen auf mich zu und fragten, woher ich komme. Wenn sie hörten, dass ich aus Deutschland stamme, stellten sie mir viele Fragen. Ob alle Deut­schen blond und blauäugig seien, ob wir wirklich immer Bier trinken, Kartoffeln und Eisbein essen wür­den. Eisbein ist in Brasilien nämlich eine Delikatesse, bei Groß und Klein bekannt und in jedem guten Restaurant zu finden.

Manche trauten sich auch Fragen über den Zweiten Weltkrieg, die Zeit danach und unsere heutige Einstellung dazu zu stellen. Das In­teresse an anderen Sitten und Kul­turen ist groß. Ich wurde überall mit offenen Armen empfangen. Brasi­lianer sind Teil einer „warmen Kultur". In sechs Wochen habe ich viel über die Geschichte Brasiliens er­fahren und angefangen, die Spra­che zu lernen. Ein Freund aus mei­ner Schule vor Ort hat ein Wörter­buch mit den wichtigsten Sätzen für mich angefertigt. So war ich bes­tens für meine Reise gewappnet: Mit meinen Gasteltern, deren Sohn und dem Wörterbuch ging's nach Foz do Iguacu (kurz Foz), einer Stadt mit wunderschönen Wasser­fällen und tollen Nationalparks.

Foz liegt an der Grenze zu Argen­tinien und Paraguay. Dorthin habe ich auch einen kleinen Abstecher gemacht. Mit meinem Gastvater habe ich auf Portugiesisch sowie mit Händen und Füßen kommuni­ziert. Mein Gastbruder hat eifrig übersetzt. Gerade diese Erlebnisse prägten meine Reise: Zeit mitei­nander verbringen und Spaß ha­ben, obwohl man nicht dieselbe Sprache spricht und völlig ver­schieden ist.

Mein Fazit: Ich konnte mein por­tugiesisches Wörterbuch erweitern und viele Eindrücke sammeln. Das Buch wird mich daran erinnern, dass Brasilien doch so viel mehr als nur Samba und Fußball ist.

INFO: Baum-Name
Der Name Brasilien geht auf den portugiesischen Namen Pau-brasil des Brasilholz-Baumes zurück. Brasa bedeutet Glut. Das Adjektiv brasil bezieht sich auf die rot leuchtende Farbe des Holzes, das zum Färben von Stoffen benutzt wurde. Die Baumart war früher in den Wäldern der brasilianischen Atlantikküste weit verbreitet.

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