3 Mädels auf dem Sprung

 

WESEL (nun) „Das wird eine unver­gleichliche Erfahrung." Lea Brüx (20) aus Hamminkeln, Hannah Bauer (17) und Hannah Ventz (18) aus Wesel sind sich in dem Punkt sehr einig. Die drei haben eine ganz besondere Reise vor sich: als Abge­sandte der Eine-Welt-Gruppe We­sel vervollständigen sie eine 18-köpfige Gruppe, die von Mittwoch, 16. März, bis zum 4. April El Salva­dor besuchen wird.

Dort widmen sie sich besonders drei Projekten, die seit vielen Jahren von der Eine-Welt-Gruppe betreut und unterstützt werden. Zum einen werden die drei jungen Frauen die Kindertagesstätte in Ciudad Romero besuchen. Außerdem werden sie bei einer Schule in Amando Lopez aushelfen und natürlich auch eini­ge Stipendiaten treffen, die mit Hil­fe der Eine-Welt-Gruppe bereits viel unterwegs sein konnten.

Klaus Bauer, Leiter der Eine-Welt-Gruppe, weiß aus eigener Er­fahrung um die Verhältnisse in El Salvador: „Ich war im letzten Jahr selber in dem Land und weiß also, auf was die Mädchen sich einstellen müssen. Die Verhältnisse dort sind auf keinen Fall mit den deutschen zu vergleichen." Deshalb ist der Va­ter von Hannah Bauer froh, dass auch erfahrende El Salvador-Besu-cher die Mädchen begleiten wer­den. „Sonst würde ich meine Toch­ter auch nicht alleine dorthin reisen lassen", sagt er. Die 17-jährige Han­nah wurde durch die Reise ihres Va­ters inspiriert. „Er kam damals mit so vielen Eindrücken zurück, dass ich selber auf jeden Fall einmal dorthin wollte. Ich bin froh, dass sich mein Wunsch jetzt erfüllt und freue mich schon auf unsere Zeit dort." Auch Lea Brüx ist jetzt schon auf­geregt. „Ich wollte schon lange nach El Salvador und freue mich, Men­schen und Kultur dort kennen zu lernen."

Ungewissheit bleibt

Um das Risiko so gering wie mög­lich zu halten, waren die Mädchen immer wieder bei Vorbereitungs­treffen. Hannah Ventz, durch ein Indien-Jahr auslands erfahren, ist überzeugt, dass „nicht alles nach Plan ablaufen wird und wahr­scheinlich vieles anders wird als wir uns das jetzt vorstellen". Trotz der Ungewissheit, auch hier sind die drei sich einig, können sie dort „ei­nen Blick über den Tellerrand wer­fen" und werden sich hinterher noch lange an El Salvador erinnern.

 

Hannah Bauer, Hanna Ventz (beide aus Wesel) und Lea Brüx aus Hamminkeln sind für die Eine-Welt-Gruppe Wesel in El Salvador eingetroffen. Dort besuchen die drei jungen Frauen Projekte, die die Gruppe seit Jahren unterstützt. Von dort berichten sie für die RP

„Wir sind jetzt seit drei Tagen in Nueva Esperanza. Nach einem sehr langen, trotzdem angenehmen Flug, sind wir um 18 Uhr Ortszeit nach 20 Stunden gut in San Salva­dor, der Hauptstadt El Salvadors angekommen. In einem sauberen, kleinen und freundlichen Hotelha­ben wir uns nach dem Abendessen direkt in die Betten geworfen und sind vollkommen erschöpft einge­schlafen. Am nächsten Morgen wurden wir schon recht früh von Verkehrslärm und Hitze geweckt und machten uns auf, die Stadt zu erkunden.

San Salvador hat nicht viel mit Großstädten, wie wir sie kennen, gemeinsam. Es ist laut, chaotisch und zum Teil gefährlich, da man sich die Straßen mit Fußgängern, Radfahrern und einem Haufen Au­tos teilen muss, deren Verkehrs­tüchtigkeit zweifelhaft ist. Außer­dem hat San Salvador eine der höchsten Kriminalitätsraten der Welt. Wir bekommen sehr realisti­sche Eindrücke von der Lebenssi­tuation der Menschen, die ihren Alltag auf den Straßen der Haupt­stadt verbringen und versuchen, ih­ren Lebensunterhalt mit dem Ver­kauf von Obst oder anderen Le­bensmitteln zu verdienen.

Ein anderer Aspekt, der einen großen Einfluss auf die Menschen hier hat, ist der vor 31 Jahren ermordete Erzbischof Oscar Romero. Er wird hier wie ein Heiliger verehrt, da er sich für das um seine Rechte gebrachte Volk eingesetzt hat und dafür mit seinem Leben bezahlen musste. Ihm zu Ehren wird jeweils an seinem Todestag eine Lichter-Prozession durch die Hauptstadt veranstaltet, die gleichzeitig als De­monstration gegen die noch immer nicht aufgeklärten Verbrechen an tausenden Salvadorianern gilt.

Außerdem besichtigten wir die Kathedrale, wo Monsignore Rome­ro begraben liegt und die Gedenk­mauer, wo 30 000 Namen der Opfer und Verschwundenen des Bürger­krieges und der vielen Massaker aufgelistet sind. Diese Eindrücke waren sehr bewegend.

Nach zwei Tagen verließen wir die Hauptstadt und sind nun in der Gemeinde Nueva Esperanza (Neue Hoffnung), die von der Eine-Welt-Gruppe Wesel unterstützt wird. Hier nehmen wir am 20. Jahrestag des Dorfes teil, den die Bewohner mit einem Gottesdienst und einem Kulturprogramm feiern. Wir dürfen stolz ein „Diploma" in Empfang nehmen, das die Gemeinde für die Solidarität stellvertretend an uns überreicht. In den nächsten Tagen werden wir viel über die Geschichte der Gemeinde erfahren, mit Zeit­zeugen des Bürgerkriegs sprechen und die von der Eine-Welt-Gruppe unterstützten Projekte besuchen. Wir können schon jetzt sagen, dass El Salvador ein Land mit vielen freundlichen Menschen ist."  RP vom 25.3.2011

© 2020 Konrad-Duden-Gymnasium Wesel. All rights reserved.