Schnee ist etwas ganz Besonderes

 

Die Austauschschüler Felipe (18) aus Brasilien und Jayden (17) aus Australien erleben Weihnachten sonst ganz anders

Florian Bickmeyer in NRZ vom 22.12.2010

Wesel. Nein, Schnee lohnt sich nicht. Felipe Brandäo (18) aus Bahia in Brasilien macht eine Rechnung auf: „Schnee ist kompliziert. Schön und interessant. Aber auch ganz kalt. Und er macht alles nass. Schnee lohnt sich nicht. Wenn ich daran denke, was ich alles anziehen muss, oh mein Gott!" Felipe schlägt die Hän­de über dem Kopf zusammen. Der Australier Jayden Milner (17) schmunzelt nur: „Man weiß ja, wie man sich anziehen muss. Ich finde Schnee besser als Regen. Man muss nur vor­bereitet sein." Für uns Niederrheiner ist der frühe und anhaltende Schnee ja schon außergewöhnlich, für die bei­den Austauschschüler, die der­zeit in Büderich leben, aber erst recht.

„Schnee zu erleben ist für mich etwas ganz Besonderes", sagt Felipe. Am Montag ist er sogar mit dem Fahrrad zur Schule gefahren. Den ver­schneiten Weg von Büderich in die Feldmark. Dort besu­chen beide Austauschschüler das Konrad-Duden-Gymna­sium. Felipe geht in die zwölf­te, Jayden in die elfte Klasse. „Nur Deutsch mache ich in der sechsten Klasse", erklärt Jay­den. Ihr Abenteuer Schüleraus­tausch haben die beiden Jun­gen nun fast hinter sich, seit Februar sind sie in Deutsch­land. „Ich will eigentlich gar nicht nach Hause. Ich bin sehr zufrieden hier", sagt Jayden. „Wenn ich nach Hause fahre ist alles normal und ich will kein normal - nicht nach die­sem Jahr!" Felipe freut sich auf die Heimat. „Aber es ist ein komisches Gefühl.

Vorher steht aber erst noch Weihnachten an, und das fei­ern die Jungen normalerweise auch ganz anders. „In Brasi­lien ist es mehr Konsum", fin­det Felipe. Mit mehr als 50 Familienmitgliedern feiert er sonst ausgelassen zu Hause. „Ich mag das", sagt er. Die deutsche          Besinnlichkeit gefällt ihm aber auch sehr: „Hier ist das ein besonderer Teil des Jahres. Ich habe ein anderes Gefühl. Aber schön." In   Deutschland hat Felipe auch seinen ersten Adventska­lender bekommen, diesen Brauch möchte er mit nach Brasilien nehmen.

„In Australien fängt alles schon am 1. Dezember an", erzählt Jayden über Weihnach­ten in seinem Land. Auch der Baum wird dann schon aufge­stellt. Jayden lacht: „Natürlich ist der synthetisch. Wir haben keine echten." Dafür haben sie ihr „eigenes Jingle Bells", erzählt er lachend. Statt durch Eis und Schnee klingt's in der Down Under-Version eben durch den „Bush". Normalerweise geht er Weihnachten immer schwim­men. „Bei uns ist dann Som­mer", klärt er auf. Doch dieses Jahr hofft Jayden auf Schnee. Alles soll weiß bleiben, sagt er. Besonders, wenn er in diesem Jahr den Weihnachtsbaum mit Gastvater Karl-Heinz selbst schlagen gehen darf. Bevor er zurück nach Aust­ralien fliegt, soll es dort aber erst einmal wärmer werden, findet Jayden, 40 Grad, damit könnte er gut leben. „Im Moment ist es kalt, nur 25 Grad."

INFORMATION: Bald geht's nach Hause

Das Austauschjahr, das die beiden Teenager bei ihren Gastfamilien in Büderich ver­brachten, neigt sich nun lang­sam dem Ende entgegen. Jay­den hat heute schon seinen letzten Schultag. Gleich nach den Ferien wird er zurückflie­gen. Ein paar Tage später geht es auch für Felipe wieder zurück in seine brasilianische Heimat.
 

Australier und Brasilianer freuen sich über Schnee

VON ISABELL HÜLSER in RP vom 24.12.2010

WESEL Seit Februar sind der Australier Jayden Milner (17) aus Mildura und der Brasilianer Felipe Brandao (18) aus Bahia im Rahmen eines AFS-Austausches bei Gastfamilien in Wesel untergebracht. Zum Ende ihres zehnmonatigen Aufenthalts erleben sie jetzt Weihnachten in einem ihnen nicht mehr ganz fremden Land. Ungewohnt ist es für beide, an Weihnachten von der Familie getrennt zu sein.

Kalender aus Söckchen

Die Büdericher Gastfamilie Kamphöfener kann davon ein Lied singen. Der älteste Sohn Kai (17) hat im vergangenen Jahr zehn Monate in Peru verbracht - ebenfalls über Weihnachten. "Es war eine Katastrophe , da bin ich echt eine Glucke", sagt Ute Kamphöfener. In diesem Jahr ist die Familie wieder komplett - mehr als das, denn der Australier Jayden feiert mit. Die Gastfamilie versucht, alles so normal wie möglich zu belassen. "Es soll ja schließlich kein falscher Eindruck entstehen", so Gastvater Karl-Heinz Freckmann. Und so wird auch Jayden am ersten Weihnachtstag aktiv ins traditionelle Programm eingebunden. „Bei uns muss jeder einen Beitrag leisten, sonst gibt es kein Abendbrot", er­klärt Freckmann und lacht.

Zum Glück weiß Jayden schon, womit er punkten kann. „Ich trage die australische Version von Jingle Bells vor. Der Text ist anders, schließlich gibt es bei uns an Weih­nachten ja keinen Schnee", so Jay­den. Überhaupt ist Weihnachten in Australien ein wenig anders: Statt eines besinnlichen Winterabends sind hier Grillen und Schwimmen angesagt - kein Wunder im Sommer bei 40 Grad. Schnee in der Weihnachtszeit - und das in diesen Mengen -, das ist sowohl für Jayden als auch für den Brasilianer Felipe, die in unterschiedlichen Familien in Büderich ein Zuhause auf Zeit gefunden haben, eine Premiere. Und: "Einen Adventskranz kennen wir auch nicht", erklärt Jayden.

Für Felipe ist der Adventskalender etwas völlig Neues. In Form von Söckchen ziert er die Treppe seiner Gasteltern Christiane und Peter Weineck. "Einmal hatte ich sogar einen Dönergutschein darin", erzählt der Brasilianer begeistert.

Jayden freut sich auf sein erstes Weihnachten unter einem echten Tannenbaum. "Wir kaufen aber erst an Heiligabend einen Baum und zwar den hässlichsten, den der Händler noch hat - zum Schönschmücken", sagt Gastvater Karl-Heinz Freckmann.

Unter dem Weihnachtsbaum von Felipes Gastfamilie Weineck liegen besondere Geschenke. "Meine Mutter hat welche aus Brasilien geschickt", erklärt der 18-Jährige, der das heimische Fest als konsumorientierter bezeichnet. Felipe hat seine Grüße ein wenig zu spät auf die Reise geschickt. „Die kommen wohl erst zu Silvester an", fürchtet er.

Kurz nach dem Jahreswechsel heißt es für die beiden Austausch­schüler: zurück in die Heimat. Wäh­rend Jayden in Australien noch wei­tere zwei Jahre die Schulbank drü­cken muss, um seinem Berufs­wunsch Pilot näherzukommen, hat Felipe die Schule bereits abge­schlossen. Er wird sich der Aufnah­meprüfung im Fach Geschichte an einer Uni stellen. „Schade ist, dass ich hier nicht Karneval erleben wer­de", sagt Felipe.

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