Scheinbare Wahrheiten

 

Die Theatergruppe des Konrad-Duden-Gymnasiums führt ein Stück über Martin Luther und die Reformationsbewegung auf

Gabi Schultze in NRZ vom 17.3.2010

Wesel. „Ein Regisseur hat sein Stück und sucht sich danach die passenden Schauspieler aus", weiß Ernst Gadow. „Bei einem Theaterprojekt in der Schule funktioniert das aber genau andersherum. Wir haben unsere Gruppe und fan­gen dann an, zu überlegen, was wir mit den Leuten auf die Beine stellen können." Auf diese Weise kam es dazu, dass die Theatergruppe des Kon­rad-Duden-Gymnasiums in diesem Jahr ein Stück aufführt, das nicht gerade als Klassiker für das Schultheater gilt: Die Mädchen und Jungen zeigen „Martin Luther und Thomas Münzer oder: Die Einführung der Buchhaltung."

Die Zeit der Reformationsbewegung

Das moderne Stück stammt aus der Feder von Dieter Forte und erlangte in den 70er und 80er Jahren große Erfolge. Es stellt das Geschehen rund um Martin Luther zwischen 1514 und 1525 dar und befasst sich mit den ökonomisch-politi­schen Interessen der Kirche und Fürsten sowie der Refor­mationsbewegung.

Für die Theatergruppe des Konrad-Duden-Gymnasiums sei das Stück ganz einfach des­halb besonders gut geeignet, weil es viele verschiedene Rol­len und somit Möglichkeiten für die 29 Schauspieler der Truppe bietet, erklärt Ernst Gadow. Der Lehrer ist zwar mittlerweile pensioniert, begleitet das aktuelle Theater­projekt aber noch bis zum Abschluss.

Am Donnerstag, 18. März, Freitag, 19. März, und Mon­tag, 22. März, führen die Schü­ler der Jahrgangsstufen elf, zwölf und 13 das Stück in der Aula des Konrad-Duden-Gym­nasiums auf. Beginn ist jeweils um 19 Uhr, der Eintritt frei. „Das  ist  eine  ganz  schöne Herausforderung, sowohl für uns Darsteller als auch für das Publikum", gibt Xenia George, eine der Schauspielerinnen, zu. Denn das Stück ist ganze drei Stunden lang, nach der 39. Szene gibt es eine Pause.

Langweilig sollen die Auf­führungen aber trotzdem keinesfalls werden. „Es gibt einige Überraschungen für die Zuschauer", sagt Xenia George mit einem Augenzwin­kern. Soviel sei schon verra­ten: Der Papst wird von einer Frau gespielt und trägt einen Minirock. Und Martin Luther ist  in  der  Geschichte  alles andere als ein geradliniger Kämpfer, sondern lebt viel­mehr nach der Devise „Komm ich heut nicht, komm ich mor­gen." „Das Stück spielt mit scheinbaren Wahrheiten über die Kirche", erklärt Ernst Gadow. „Und das auf wunder­bar ironische Weise."

 

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VON MONIKA STENCEL in RP vom 22.3.2010

WESEL Mit Trillerpfeife, Fähnchen schwenkend und als protestierende Gewerkschafter verkleidet, so präsentierte sich die Gruppe der unterdrückten Bauern, angeführt von Prediger Thomas Münzer bei der Premiere von "Martin Luther und Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung", gespielt von der Theatergruppe des Konrad-Duden-Gymnasiums.

Das Stück von Dieter Forte wie die auf die Aktualität bezogene Inszenierung der KDG-Schüler zeigen die Ereignisse in Deutschland zu Beginn des 16. Jahrhunderts in einem anderen Licht: Der Augustinermönch und Theologieprofessor Martin Luther (Sabrina Ehlers) macht durch seine Kritik am Ablasshandel der katholischen Kirche auf sich aufmerksam. Fürsten, Bauern und der Vatikan interpretieren seine 95 Thesen, die Luther von seinem Mitreformator Karlstadt (Christina te Heesen) abgeschrieben hatte, je nach politischen Zielen zum eigenen Vorteil. So wird Luther Marionette im Spiel um die Macht. Unpolitisch, geldgierig und fanatisch wird er zum Antagonisten, während sein anfänglicher Mitstreiter Thomas Münzer (Magdalena Madry) mit seinen Genossen an den ursprünglichen Idealen der Reformation festhält.

Beeindruckende schauspielerische Leistungen zeigten nicht nur die Hauptdarsteller, sondern auch Florence Stawinoga als Kaiser Maximilian mit komischem "öhst'raischischn" Akzent, Lea Schmid als sein unreifer und kindischer Nachfolger Kaiser Karl V, Matti Henning als machthungriger Kaufmann Jakob Fugger, mit seiner Bank eigentlicher Herrscher Europas, und Leonie Erdmann, die einen "in Geldangelegenheiten unfehlbaren Papst", der modebewusst die Röcke im Vatikan kürzt und die Idee einer sich um die Sonne drehenden Erde "äußerst interessant" findet.

"Sie haben's mal wieder geschafft", lobte Ernst Gadow, der mit Sandra Ossig die Theater AG leitet, die gelungene Aufführung. Historisch korrekt endete das Stück mit Bauernkrieg, Hinrichtung Münzers und einer hervorragenden Kassenbilanz für Jakob Fugger. Ironie am Schluss: Der Papst und seine Kardinäle erkennen als einzige die menschliche Unfähigkeit von Vernunft, Fortschritt und frommer Gottesfurcht und prophezeien eine düstere Zukunft, während Fugger und sein Buchhalter Schwarz (Hannah Kohler) ein "Kapital unser, das du liegst auf den Konten" beten. Starker Beifall war Lohn für 29 Darsteller, Technik und Spielleitung.

Letzte Aufführung heute um 19 Uhr in der Aula des KDG

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