Ganztag - gegen die Elternsorgen

 

"Lernzeit" statt Hausaufgaben: Über die Unterrichts-Struktur am KDG ab Sommer 2010 - Im Spätsommer 2010 startet am KDG der Ganztagsbetrieb. Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott und sein Lehrerteam haben diesbezüglich im Vorfeld "Unsicherheiten" in der Elternschaft festgestellt. Die Schule will durch Aufklärung entgegenwirken.

FELDMARK. "Der Ganztag ist eine richtige Antwort auf G8", findet Heinzgerd Schott. Er hält es aber für dringend nötig, bestehende Wissenslücken um die künftige Unterrichtsgestaltung zu schließen. Der "Direx" umreißt die Elterngedanken vor dem Ganztag so: "Was müssen wir fürchten - was dürfen wir erhoffen?" Und er formuliert zwei Kernbotschaften. Die erste: Alle Schüler sollen ihre Hausaufgaben zu 80 bis 90 Prozent in der Schule erledigen können und Zuhause - mit wenigen Ausnahmen - keine "elementaren" Schulleistungen mehr erbringen müssen. Zweitens, so Schott: "Die Eltern müssen keine Sorgen haben, dass ihnen die Kinder entzogen werden und keine Zeit mehr für familiäres Miteinander bleibt!" In den Klassen 5 und 6 müssen mit dem Ganztags-Start 36 Stunden in die Unterrichtswoche gepackt werden. Die zusätzlich anfallenden Stunden {siehe Übersicht unten) betreffen in der Hauptsache die Kernfächer. Eine der Zusatzstunden soll vom Fachlehrer variabel als "Lernzeit" eingerichtet werden. Eine Lösung, die Schott jeder anderen Betreuungsmöglichkeit vorzieht: "Der Fachlehrer weiß am besten, was er gemacht hat und kann so sinnvoll den Unterricht ergänzen!" Allerdings: Vokabeln lernen, Intensiv-Lektüre und die Vorbereitung auf Referate bleiben klassische "Haus"-Arbeit. Das ergebe die geplanten restlichen 10 bis 20 Prozent.

Nachmittags-Unterricht gibt's an zwei Tagen der Woche (14.05 bis 15.40 Uhr) als Schulunterricht, außerdem laufen an einem Tag freiwillige AGs: Diese können ein Schulangebot sein oder auf Kooperationspartner wie VHS oder MKS zurückgreifen.

Wer private, sinnvolle Vereinsangebote als Betätigung nachweist, kann diese als Nachmittagsangebot anrechnen lassen. Andernfalls greift die schulische Verpflichtung: Die Kinder müssen an einer der AGs teilnehmen.  Dirk Bohlen in DER WESELER vom 3.2.2010

INFO:

Auch für die Klassen 10 und 11 macht das KDG neue Angebote, die im Einklang mit dem Ganztag stehen: Niederländisch und Fitnesstrainung stehen auf dem Programm.

In Planung für die unteren Klassen: "Internetführerschein" und "Präsentation" (Powerpoint)

Stundentafel

 
 

Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott über die Resonanz auf das Ganztags-Konzept beim Tag der offenen Tür

FELDMARK. Beim Tag der offenen Tür ging das KDG mit Detail-Informationen zum Ganztag gezielt auf die Eltern zukünftiger Schüler zu. Schul­leier Dr. Heinzgerd Schott schildert uns seine Eindrücke von der Aktion.

„Das Interesse am Ganztag war groß. Jedenfalls scheint niemand wegen der Ganztags­schule von vornherein zu Hau­se geblieben zu sein. In der Info-Veranstaltung wur­den viele Fragen zu den Details des Ganztags gestellt, mehr als in den Jahren zuvor. Gefragt wurde darüber hinaus in Ein­zelgesprächen auf dem Flur und in der Pausenhalle. Es kam immer wieder zu Rückfragen

zu dem in der Aula Gehörten. Mein Eindruck: Unsere Bot­schaft, dass der Ganztag keine zusätzliche Belastung für die Kinder ist, sondern eher eine Entlastung, ist angekommen. Unsere Entscheidung zu den Lernzeiten (direkte Anbindung an den Fachunterricht/ Qualitätsargument) wurde allge­mein gutgeheißen. Ebenso bestätigten die Eltern, dass sie glauben, dass für Freizeit und außerschulische Aktivitäten noch Zeit bleibt, jedenfalls nicht weniger als an einer Halbtagsschule, weil die Erledigung von 80 bis 90 Prozent der Hausaufgaben in den schulischen Lernzeiten als gut und wünschenswert angesehen wird. Es wurde jedoch auch klar: Diese Zusage muss das KDG in der Praxis unbedingt einhalten, wenn unser Konzept für die Zukunft glaubwürdig bleiben soll.

Hobby-Aktivitäten als Ersatz für AG-Pflichten

Es bestand großes Interesse an AG-Angeboten der Schu­le, bei denen Kompetenzen erlernt werden, die über den Unterricht hinausgehen (zum Beispiel Tastaturschreiben, Umgang mit dem Computer (Word,PowerPoint), Erlernen eines Instrumentes. Viele Eltern haben aber auch ver­standen und waren zufrieden damit, dass schon bestehende Aktivitäten der Kinder (Sport­verein, Musikschule, Pfadfin­der, Jugendgruppe) als AG-Ver­pflichtung anerkannt werden können. Einige wollten sogar wissen, ob man denn trotzdem an weiteren Angeboten teil­nehmen dürfe, auch wenn die Verpflichtungen eigentlich schon erledigt seien. Alles zusammen macht mich zuversichtlich, dass zumindest unsere Informationen bei den Besuchern angekommen sind. Was natürlich noch nicht be­deutet, dass sich alle Interes­senten tatsächlich für das KDG entscheiden. Erst die Anmel­dezahlen werden zeigen, wie überzeugend die Eltern das Konzept des Ganztags am KDG finden.

 

Von Dirk Bohlen in Der WESELER vom 3.2.2010

Das KDG rüstet sich für den Ganztag. Die Schulleitung hat an einem Konzept ge­tüftelt, das die Leistungs­anforderungen mit den Be­dürfnissen der Kinder und ihrer Familien verquicken will. Das scheint gelungen zu sein.

Doch ein (unvermeidlicher?) Wermutstropfen klebt bitter am schulischen Konzeptme­nü: Die jetzigen Klassen 5 bis 10 sollen das G8-Süppchen auslöffeln. Ohne die Vorzüge der neuen Unterrichtsstruk­tur, ohne Stoffvertiefung gemeinsam mit dem Fach­lehrer. Und oft auch (noch) ohne Doppelstunden, auf die künftig mehr Wert gelegt wird.

Die Versuchskaninchen im kultusministeriellen Testballon „G8" müssen irgendwie klarkommen. Natürlich: Sie besuchen mit dem KDG eine gute Schule, so wie AVGler und Lauerhaas-Gesamt­schüler auch.

Da will man fast hoffen, dass eine künftige, bildungspoli­tisch anders gestrickte Lan­desregierung nicht plötzlich alle „G8“-Gesetze über den Haufen wirft und die Mühen umsonst waren. Denn dass irgendwann eine totale Neustrukturierung des deutschen Schulsystems kommt - kommen muss, dies gilt bei vielen Experten als sicher.

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