Fairer Handel als Theaterstück

 

Der Eine-Welt-Laden esperanza feiert sein 25-jähriges Bestehen mit einem Auftritt der Theatergruppe "Berliner Compagnie" in der KDG-Aula. Im Stück geht es um die Produktion von Waren in Billiglohnländern.

VON ISABELL HULSER in RP vom 30.11.2010

WESEL Seit einem Vierteljahrhun­dert gibt es ihn schon in Wesel: den Eine-Welt-Laden esperanza. Grund genug für eine kleine Jubiläumsfei­er. Dabei soll es, wie auch in den letzten 25 Jahren, darum gehen, das Bewusstsein für den fairen Handel weiter zu schärfen. Aus diesem Grund wird das Jubiläum mit ei­nem Theaterstück gefeiert (siehe Info). Die Theatergruppe „Berliner Compagnie" macht dafür auf ihrer Deutschland-Tour mit dem Stück „Schöne Eine Welt" in Wesel Halt. In dem 90-minütigen, von den Ber­linern selbst geschriebenen Stück geht es um die Produktion von Wa­ren in Billiglohnländern - ein The­ma, das eng mit der Arbeit im Welt­laden esperanza verbunden ist.

KDG stellt Aula zur Verfügung

„Beim Jubiläum sollte unsere entwicklungspolitische Bildungs­arbeit nicht zu kurz kommen. Und wie kann man diese lebendiger ver­mitteln, als mit einem thematisch passenden Theaterstück", erklärt Haus Bauer, Vorsitzender der Eine-Welt-Gruppe Wesel. Und so hat sich Klaus Bauer an das Konrad-Duden-Gymnasium gewandt, um auf die geplante Veranstaltung aufmerk­sam zu machen. Daraufhin bot die Schule an, die Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung zu stellen. „Wir hoffen, dass viele Besucher, vielleicht auch ganze Schulklassen oder Kurse kommen", sagt Bauer, der in der KDG-Lehrerkonferenz für das Stück geworben hat.

Das Weltladen-Jubiläum ist auch ein willkommener Anlass, um ei­nen Blick auf die vergangenen Jahre zu werfen. „Die größten Erfolge hatten wir in den letzten zwei Jah­ren. Der Laden hat sich ständig wei­terentwickelt, dennoch gab es Del­len", so Klaus Bauer. „Dellen" be­deuten in diesem Fall harte Jahre, in denen die 20 000 bis 30000 Euro Jahresumsatz kaum für die Laden­miete an der Sandstraße reichten. In den vergangenen Jahren, in denen der Laden sich auch räumlich verändert (Windstege 7) hat, ist der Umsatz auf zuletzt 75 000 Euro ge­stiegen. „Dadurch, dass mehr Geld zur Verfügung steht, hat sich der Warenbestand deutlich erhöht, das macht den Laden wiederum attrak­tiver", erklärt Bauer. Und so findet man allerhand Uni­kate aus echter Handarbeit. Von Blechspielzeugen aus Madagaskar über Klangschalen aus Nepal bis hin zu Körben, die von den Philippi­nen stammen und aus Telefonbü­chern gefertigt werden, ist alles zu bekommen. Auf der Suche nach ei­nem individuellen Weihnachtsge­schenk kann man somit auch im „saisonal flexiblen" Weltladen esperanza fündig werden.

Neue Mitarbeiter gesucht

„Aktuell sind die Öffnungszeiten ein Problem. Wir würden den La­den gerne länger und öfter aufma­chen. Voraussetzung dafür sind je­doch neue ehrenamtliche Mitar­beiter", sagt Klaus Bauer. Derzeit ist esperanza jeden Dienstag-, Don­nerstag- und Freitagnachmittag so­wie Mittwoch- und Samstagvormit­tag geöffnet. „Zudem wäre ein La­denlokal in der Fußgängerzone bei vergleichbarer Miete super. Hier in Reihe zwei haben wir leider kaum Laufkundschaft", erklärt Klaus Bauer.
 

INFO:„Schöne Eine Welt"

Das Theaterstück der Gruppe „Berliner Compagnie" anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Eine-Welt-Ladens ist am Donners­tag, 2. Dezember, in der Aula des Konrad-Duden-Gymnasiums (Bar-thel-Bruyn-Weg 54) zu sehen. Los geht es um 19.30 Uhr, Einlass ab 18.45 Uhr. Karten für acht Euro (Schüler: vier Euro) gibt's im Weltladen esperanza, unter Tel. 0281 31085 und an der Abendkasse.

 

Theater für fairen Handel

WESEL (kap) Bei der Verlagerung einer Bekleidungsfabrik aus einer freien und billigen Produktionszone in Südostasien in eine noch freiere und noch billigere Produktionszone in Osteuropa werden die taffen deutschen Manager Schipp und Zoff unvermutet aufgehalten. Ausgerechnet von Frauen, die sich ihnen in den Weg stellen und sich in den Kopf gesetzt haben, eine Gewerkschaft zu gründen, um die miserablen Arbeitsbedingungen zu verbessern und eine Anhebung ihres kärglichen Lohns durchzusetzen. Doch der Fabrikdirektor Zoff pflegt gute Beziehungen zum Militär, das gerne auch mal so lästige Probleme wie aufmüpfige Frauen aus dem Weg schafft. Denn Zeit ist schließlich Geld. Diese Szene war Teil des Theaterstücks "Schöne eine Welt", das die Berliner Compagnie auf Einladung des Weseler Eine-Welt-Ladens Esperanza Donnerstagabend in der Aula des Konrad-Duden-Gymnasiums auf die Bühne brachte - ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen.

Erzählt wurde die Geschichte der Näherin Ethna, die auf dem Fabrikgelände ihre verschwundene Schwester Asina sucht. Die ist seit dem Eingreifen des Militärs vor drei Tagen verschwunden. Korruption, Niedriglöhne, schlechte Arbeitsbedingungen, Schmiergeld und Missbrauch waren der Stoff, aus dem ein aufregendes Stück gemacht war.

Die Eine-Welt-Gruppe hatte die Berliner Compagnie zu ihrem 25-jährigen Jubiläum eingeladen. "Wir haben nach etwas Sozialkritischem gesucht, das etwas mit unserer Arbeit zu tun hat", so Klaus Bauer, Vorsitzender der Gruppe. "In dem Stück ist die Situation natürlich sehr drastisch dargestellt. Aber es passt gut, und deswegen haben wir uns bewusst dafür entschieden", so Bauer. Die Eine-Welt-Gruppe setzt sich für Gerechtigkeit in der "Einen Welt" und für fairen Handel ein. Sie unterstützt Hilfsprojekte in Entwicklungsländern und verkauft im Laden esperanza (Hoffnung) an der Windstege 7 fair gehandelte Ware wie Kaffee, Saft, Schokolade oder Schmuck zu fairen Preisen.

90 Stunden Woche

Vor und nach der Aufführung konnten sich die zahlreichen Besucher über Ausbeutung in so genannten Billiglohnländern informieren. 14 Stunden Arbeit an sieben Tagen in der Woche bei einem Stundenlohn von fünf Cent ist keine Seltenheit. Korruption und Unterdrückung gehören zum Alltag. Für die Zuschauer im KDG war gut gesorgt. Es gab Saft, Limonade und Schokolade. Natürlich alles aus fairem Handel.

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