Das Fest in der Ferne

 

VON ANNA HOLTHUIS in RP vom 24.12.2010

HAGERSTOWN Die 16-jährige Weselerin Anna Holthuis ist seit Sommer Austauschschülerin im amerikani­schen Hagerstown und berichtet für die RP von ihrem Weihnachts­fest in Wesels Partnerstadt:

„Seit Thanksgiving zählen die Amerikaner die Tage bis Weihnach­ten. Allerdings nicht so häufig wie in Deutschland mit den geöffneten Türen eines Adventskalenders. Je­denfalls habe ich von meinen Mit­schülerinnen an der North Hagerstown-Highschool erfahren, dass nur einige einen solchen Kalender haben und der ist dann mit einer billigen Schokolade gefüllt. Da lob ich mir meine Adventska­lender aus Wesel. Die sind schön anzusehen und der Inhalt sehr le­cker! Und auch meine Gastmutter, Connie Lenhart, hat einen Kalen­der vom Lions Club Wesel. Der sieht heimatlich aus und bringt vielleicht sogar einen Gewinn.

Geschenke am ersten Feiertag

Also Weihnachten ist in den USA doch in mancher Hinsicht anders: Es wird einfach viel mehr dekoriert und in Lichteffekte investiert: in der Stadt, in und um die Häuser herum. Santa Claus und seine Rentiere sind allgegenwärtig. Manches ist mir zu kitschig, aber es erinnert mich an manche lustigen amerikanischen Weihnachtsfilme, die ich in Deutschland gesehen habe. Die Weihnachtsbäume sind übrigens meistens „fake", also unechte Kunstbäume. Dieses Jahr werde ich erstmals keine Bescherung an Heiligabend erleben. Das ist aber nicht ganz so schlimm, da hier die Bescherung traditionell am ersten Weihnachts­tag stattfindet. Und die Päckchen aus Wesel sind auch schon da. An Heiligabend besucht man in der Regel einen Abend-Gottesdienst und stellt danach für Santa Claus noch Cookies und Milch raus. Je­denfalls machen das die Kinder hier und manche wecken ihre Eltern gleich nach Mitternacht, um mög­lichst bald ihre Geschenke zu be­kommen.

Ich persönlich werde mir die Be­scherung meiner Familie in Wesel live anschauen können. Das Video-Telefonieren per Skype macht es möglich. Und der Zeitunterschied ist dieses Mal ganz günstig für mich. Santa Claus ist übrigens immer prä­sent in der Adventszeit. In den Kaufhäusern gibt es immer wieder die Gelegenheit sich mit ihm fotographieren zu lassen. Apropos Shopping: Die heftigste Erfahrung in dieser Hinsicht durfte ich am Black Friday machen: Direkt nach Thanksgiving stürzt sich wohl so jeder Amerikaner in die Malls, um möglichst günstige Schnäpp­chen zu kaufen. Dass bei diesem „Run" auf die Geschäfte, der schon nachts beginnt, keiner zu Schaden kommt, ist schon ein Wunder. Der Freitag wird übrigens deswegen Black (schwarz) genannt, weil an diesem Tag angeblich die Einzel­händler wegen des Riesenumsatzes erstmals schwarze Zahlen schrei­ben können.

Ich freu mich auf hoffentlich viel Schnee in den nächsten Tagen. Hier wird es kälter, aber von den Westler Schneemengen ist derzeit noch nichts zu sehen. Frohe Weihnach­ten aus Hagertown in Maryland!"

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