Schüler löchern die Kandidaten

 

VON FRITZ SCHUBERT in RP vom 22.9.2009

WESEL Nach Podiumsdiskussionen wird gern nach einem Sieger gefragt. Der hieß gestern in der Aula des KDG eindeutig Demokratie. Denn gut 300 konzentrierte Oberstufen-Schüler des gastgebenden Konrad-Duden- und des Andreas-Vesalius-Gymnasiums nahmen bei der "Wahlgang '09"-Aktion (siehe Info) die Kandidaten unter die Lupe. Sabine Weiss (CDU), Dr. Hans-Ulrich Krüger (SPD), Thomas Heiske (FDP) und Holger Mrosek (Grüne) aus dem hiesigen Wahlkreis 114 (Wesel I) sowie Niema Movassat (Linke), Wahlkreis 118 (Oberhausen-Wesel III), wurden mit jeweils individuellen Fragen zu Themenschwerpunkten konfrontiert.

Kernthema: Finanzen

Los ging's natürlich gleich mit der Bildungspolitik. Hier brach Krüger gleich eine Lanze für kostenlose Bildung vom Kindergarten bis zum Studium. Weiss, zu Berufsperspektiven für die Zeit nach der Krise befragt, stärkte jungen Leuten mit Vertrauen auf deren Selbstverantwortung den Rücken und nannte es Aufgabe der Politik, Rahmenbedingungen zu schaffen. Das leitete über zum kontrovers diskutierten  Kündigungsschutz.

Wenn die Union den Mittelstand stärken wolle, dürfe das nicht zu Lasten der Arbeitnehmerrechte gehen, meinte Movassat. Der musste sich nicht nur von Heiske ("Die Linke versprichten allen alles") Attacken anhören, sondern wurde auch aus dem Publikum stets gefragt, wie die Linken ihre Forderungen denn finanzieren wollen. Ihr Plakat-Slogan "Mehr Geld für Bildung, nicht für Banken" wurde von einer Schülerin als "Wischiwaschi-Slogan" bezeichnet. Mrosek hielt der Linken "Wolkenkuckucksheim-Politik" vor und nannte selbst 185 000 Arbeitsplätze, die man im Bildungssektor neu schaffen wolle.

Ob Mindestlohn oder Schuldenabbau nach den Konjunkturprogrammen - immer wieder stellten Kandidaten und Publikum fest, dass alles mit allem verknüpft ist und im Wesentlichen an den Finanzen hängt. Sabine Weiss verteidigte den Plan, mit Steuersenkungen zu mehr Wachstum und so auch wieder zu mehr Steuereinnahmen zu kommen. "Das ist Münchhausen", konterte Ulrich Krüger, "wenn man sich am eigenen Schöpf aus dem Morast ziehen will." Um die Bildung als zukunftssicherndes Element bezahlen zu können, brauche es zunächst Steuereinnahmen.

Auch musste der Genosse sich fragen lassen, wie er es denn mit den Linken halte. Krüger versprach ("Darauf verpfände ich mein Wort"), dass es weder eine Koalition noch eine von den Linken geduldete Minderheitsregierung geben werde. Ihm selbst nahm Weiss dies auch ab, doch gebe es in der SPD eben auch andere Meinungen.

An solchen Stellen ging es dann auch mal ein bisschen hitziger zu, was im jungen Publikum aber gut ankam. Es hätte sich trotz der recht kurzweiligen Diskussion offenbar noch mehr unmittelbare Konfrontation und deutlichere Unterschiede bei den großen Parteien gewünscht.
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INFO Moderation: Sarah Leukel und Jan-Paul Laarmann vom Berliner Verein Politikfabrik, einer studentischen Agentur für politische Kommunikation, hatten als Organisatoren der "Wahlgang '09"-Podiumsdiskussion leichtes Spiel. Die als Moderatoren fungierenden KDG-Schüler Tobias Linzmeier und Thilo Bühnen hatten die Veranstaltung bestens im Griff, holten ausufernde Teilnehmer immer wieder zurück und schalteten Fragen aus dem Publikum zwischen.

 
 

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