Ein Besuch in der alten Heimat

 

 
Dressurreiter Steffen Peters, der sich in Kalifornien seinen amerikanischen Traum erfüllt hat, kehrt für kurze Zeit zu seinen Anfängen zurück. Er bereitet sich bei Jo Hinnemann in Voerde auf das CHIO in Aachen vor. Dort zählt er nach dem Doping-Fall Werth zum Favoritenkreis.

VON JOACHIM SCHWENK in RP vom 27.6.2009

WESEL Steffen Peters ist wieder ein­mal an die Stelle zurückgekehrt, an der er vor mehr als einem Viertel­jahrhundert begann, sich seinen amerikanischen Traum zu erfüllen. Der aus Wesel stammende Welt­klasse-Dressurreiter, der Mitte der 80er Jahre den Sprung über den Großen Teich wagte und seit drei Jahren mit seiner Frau Shannon stolzer Besitzer der Ranch „Arroyo Del Mar" in San Diego (Kalifornien) ist, bereitet sich in diesen Tagen auf dem Krüsterhof von Jo Hinnemann in Voerde auf das CHIO in Aachen vor - zurück zu den Wurzeln.

„Mein Zuhause ist jetzt Amerika"

Der 44-Jährige genießt es, ein paar Tage in der Umgebung zu ver­bringen, in der er aufgewachsen ist. „Ich komme immer wieder gerne nach Wesel, treffe die Jungs von frü­her und freue mich auf das Training unter dem kritischen Blick von Jo Hinnemann", sagt Peters gut ge­launt. Doch er weiß, dass die Besu­che am Niederrhein stets Stippvisi­ten bleiben werden. „Denn mein Zuhause - das ist jetzt Amerika."

Dort hat Steffen Peters, dessen El­tern Doris und Hans-Hermann Pe­ters früher Inhaber des Modehau­ses Vandler an der Korbmacher­straße waren, eine Karriere hinge­legt, die für ihn immer noch „wie ein Traum ist". Nachdem er von 1981 bis 1985 bei Jo Hinnemann das Dressur-ABC erlernt und am Gym­nasium Voerde sein Abitur gemacht hatte, folgte er der Einladung der Farm-Eigentümerin Laurie Falvo, einige Wochen in ihrem Stall in Ka­lifornien zu arbeiten. Peters gefiel der Job. Nach seiner Bundeswehr­zeit in Oldenburg wanderte er nach Kalifornien aus und begann, sich dort eine Existenz aufzubauen.

Der Start als Bereiter war müh­sam. „Ich bin oft im Sand gelandet. Doch das gehört dazu", sagt Peters mit einem Lachen im sonnenge­bräunten Gesicht. 1991 machte er sich selbstständig und pachtete zu­nächst eine Farm. Seit drei Jahren ist er Besitzer einer Ranch, in der das Familien-Unternehmen Peters mit elf Angestellten derzeit 55 Pfer­de trainiert. Darunter ist sein der­zeitiges Spitzenpferd Ravel. Peters feierte mit dem elfjährigen Ravel, der seiner Sponsorin Akiko Yamazaki, Frau des Yahoo-Mitbegrün­ders Jerry Yang, gehört, im April den größten Erfolg seiner Lauf­bahn. Er siegte in Las Vegas beim Weltcup-Finale vor Isabell Werth. „Ein so großes Championat im ei­genen Land zu gewinnen, ist schon etwas Besonderes", sagt Peters.

Er zählt jetzt beim CHIO in Aa­chen, dem größten Reit-Turnier der Welt, nicht zuletzt nach dem Do­ping-Fall Werth zu den Favoriten auf den Sieg. Doch er bleibt be­scheiden. „Es muss alles passen, um in Aachen erfolgreich zu sein. Ich wäre schon zufrieden, wenn ich einen Platz unter den besten drei Reitern erreichen würde", meint Peters. Jo Hinnemann hilft dabei. Steffen Peters trainiert seit gut einer Woche bei seinem einstigen Lehrmeister.

„Jo ist sehr kritisch. Solche Unterstützung braucht man aber, wenn man im Hochleistungssport erfolg­reich sein will", sagt Peters, der in diesen Tagen ein volles Programm hat. Denn er wird mit Akiko Yamazaki eventuell auch das eine oder andere Pferd kaufen, das er dann in San Diego ausbilden will.

Mutter Doris drückt die Daumen„Wir schauen uns einige Pferde in Deutschland und den Niederlan­den an", meint der 44-Jährige, der oft erst gegen 22 Uhr wieder zurück bei seiner Mutter Doris in Wesel ist. Die 73-Jährige besucht ihren Sohn regelmäßig in Kalifornien und ist auch bei vielen großen Turnieren dabei, bei denen der US-Reiter star­tet. Sie wird selbstverständlich auch ab Montag in Aachen die Dau­men drücken, wenn Steffen Peters beim CHIO sein bislang bestes Er­gebnis übertreffen will. 2005 wurde Peters mit Floriano in der Soers Fünfter.
INFO: Zwei Bronzemedaillen

Steffen Peters gewann bei den Olympischen Spielen 1996 in At­lanta mit dem US-Team die Bron­zemedaille. Die verpasste er im vergangenen Jahr bei den Spielen nur knapp. Er wurde in der Einzel­wertung mit Ravel Vierter. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Aachen wurde er mit der US-Equipe Dritter und erreichte mit Floriano in der Einzelwertung den vierten Rang.

Peters über ...

... den Doping-Fall Werth: „Es ist kein Platz für Doping in unserem Sport. Für den ganzen Pferdesport - nicht nur für die Dressur - ist es eine schlechte Sache, weil Isabell Werth eine der bekanntesten Reiterinnen der Welt ist. Wir haben eine Nulllö­sung im Reitsport - das heißt: jede kleinste Spur, die an Hilfsmitteln entdeckt wird, ist Doping. Das ist die Regel. Daran müssen wir uns halten. Sie ist zum Schutz der Pfer­de auch wichtig, weil sie im Gegen­satz zu den Menschen nicht die Entscheidung treffen können, ob sie ein Medikament nehmen wol­len oder nicht."

... sein Pferd Ravel: „Ravel hat sich in letzter Zeit noch einmal enorm ver­bessert. Die Olympischen Spiele 2008 in Hongkong kamen vielleicht etwas zu früh für uns. Denn sie wa­ren Ravels erster internationaler Auftritt. Ich hoffe, dass er jetzt bis zu den Olympischen Spielen 2012 in London gesund bleibt. Dann können wir vielleicht eine Medaille gewinnen."

... über Wesel: „Ich bin immer gerne in der Stadt zu Besuch, in der ich groß geworden bin. Wesel hat sich in all den Jahren seinen gemütli­chen Charakter bewahrt, den ich schätze."

...über alte Freunde: Ich freue mich immer, wenn ich die Jungs wiedersehe, die ich aus der Schule und teilweise aus dem Kindergar­ten noch kenne. Wir treffen uns stets einmal im Paulaner, wenn ich in Wesel bin. Und gute Freunde be­suchen mich auch regelmäßig in San Diego."

...sein großes Ziel für 2010: „Die Weltmeisterschaft findet im nächs­ten Jahr in Kentucky statt. Dann möchte ich erstmals mit meiner Frau Shannon in der amerikani­schen Mannschaft reiten und vor eigenem Publikum eine Medaille gewinnen. Das ist unser Traum."

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