Die Wahlkrampflöser

 
 

Am Konrad-Duden-Gymnasium diskutierten Schüler mit Kandidaten für den Bundestag. Und das war agiler als im Fernsehen.

Marc Hippler in NRZ vom 22.9.2009

Wesel. Im Fernsehen würde es Elefantenrunde heißen, wenn die Spitzenkandidaten der wichtigsten Parteien vor Publikum debattieren. Was im Fernsehen nicht geklappt hat -weil Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht wollte - ging gestern Mittag am Konrad-Duden-Gymnasium. Da trafen die fünf Bundestagskandidaten Hans-Ulrich Krüger (SPD), Sabine Weiss (CDU), Thomas Heiske (FDP), Holger Mrosek (Grüne) und Niema Movassat (Die Linke) auf 250 Schüler. Der Nutzwert war erstaunlich groß. Vor allem, weil alle gut vorbereitet waren.

Was die Politiker zu Studiengebühren sagen

Zum Beispiel beim Thema Bildungspolitik. Darüber in einer Schule zu diskutieren, ist normalerweise in etwa so ergiebig wie vor Bergleuten über Kohlesubventionen zu sprechen. Wenn's schlecht läuft, reden Politiker ihren Zuhörern nach dem Mund, läuft es besser, ist das Publikum wenigstens einer Meinung und wenn es gar nicht läuft, reichen Politiker die Zuständigkeit wahlweise weiter nach Düsseldorf, Berlin oder gleich nach Brüssel. Ähnliches drohte auch zunächst in der Aula. Doch Stimmen aus dem Plenum und erst recht das Moderatorenduo Tobias Linzmaier und Thilo Bühnen aus der Jahrgangsstufe 13 zwangen die Gäste zu klaren Aussagen.

Bei der Frage nach Studiengebühren hatten es die Vertreter, deren Parteien eindeutige Meinungen vertreten (Mrosek: "Weg mit den Gebühren", Krüger: "Für ein gebührenfreies Studium"), naturbedingt leichter als Weiss und Heiske. Der FDP-Kanidat warf Niema Movassat beinahe reflexartig vor, Schlaraffenland-Versprechungen zu machen, nachdem Movassat kostenlose Bildung für alle gefordert hatte.

Auf diesen Zahn fühlten Movassat auch Schüler, die kritisch hinterfragten, wie die plakatierten Versprechungen seiner Partei zu finanzieren seien. "Geld für Bildung statt für Banken - was soll das überhaupt bedeuten?", wollte eine Schülerin von ihm wissen. Andere befürchteten, Die Linke würde mit ihrer Politik noch mehr Schulden machen, die von der jungen Generation dann bezahlt werden müssten. An die Adresse der FDP richteten sich Bedenken, mit einer Senkung der Steuern Schuldenabbau zu verlangsamen.

Karriere-Chancen in der Wirtschaftskrise

Klar, auch über die Wirtschaft und ihre Krise wurde debattiert und ganz besonders über die Chancen junger Menschen auf dem Arbeitsmarkt. Während Sabine Weiss an die Selbstverantwortung appelierte ("Wer wirklich will, der schafft das") und betonte, Politik könne nur für die Rahmenbedingungen sorgen, kritisierte Krüger Praktikums- und Zeitverträge. Mrosek widersprach Weiss: Jobs könnten auch aktiv, etwa mit neuen Lehrern geschaffen werden.

Nach zwei Stunden endete eine Diskussion, die agiler war als das, was man in den letzten Wochen vor der Bundestagswahl im Fernsehen sieht. Statt Wahlkrampf gab's viele kritische Nachfragen. Vielleicht war deshalb auch eine Fernsehkamera in der Aula. Abgucken ausnahmsweise erlaubt.

HINTERGRUND: Aktion "Wahlgang"

Bei der Organisation der Debatte im Konrad-Duden-Gymnasium hat die Kampagne "Wahlgang '09" geholfen. Dahinter stecken die studentische Agentur Politikfabrik sowie die Jugendpresse Deutschland. Sie tourt derzeit durch 40 Städte. Mit der Kampagne sollen vor allem junge Leute motiviert werden, zur Wahl zu gehen und sich aktiv am politischen Geschehen zu beteiligen. Konkrete Fragen haben die Schüler aber selbst vorbereitet. Infos: www.wahlgang.de

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