Chicken Wings als echter Renner

 

Nach einem Jahr Mensa am Konrad-Duden-Gymnasium meckern manche, aber das System der freien Auswahl ist gewollt

Joachim Freund in NRZ vom 23.12.2009

Wesel. Also schmecken tut es, sagt Paul, und die anderen am Tisch nicken. Nach einem langen Schulvormittag ist die Mensa des Konrad-Duden-Gymnasiums heiß begehrt. Gut ein Jahr gibt es sie. Wenn die Schule im kommenden Jahr den Ganztagsbetrieb einführt, wird sie noch wichtiger, soll sie räumlich wachsen. Wie speist es sich im KDG?

Jonas aus der 6 c findet es gut, dass es hier "keine langen Tische" gibt, so wie oft in der Jugendherberge. In den gelb gestrichenen, mit bunten Bildern versehenen Räumen sitzt man in kleinen Gruppen beisammen - Schüler, aber dazwischen oft auch der ein oder andere Lehrer. Sein Essen kann sich jeder an einzelnen "Stationen" zusammenstellen: an der Salatbar, am Tresen mit zwei Hauptgerichten, an der Nudelstation mit verschiedenen Soßen. "Free flow" heißt das neudeutsche Wort dafür, das den Nachschlag ebenso einschließt wie den Nachtisch.

"Allemal attraktiver als einen Schlag Essen auf den Teller" findet Schulleiter Dr. Heinzgerd Schott, der "zwei-bis dreimal wöchentlich" hier zu Gast ist, dieses Verfahren. Allerdings müsse man schnell sein, sagen die Schüler: Manche Leckereien seien rasch vergriffen. Chicken Wings, Hamburger oder auch das Dessert erweisen sich wortwörtlich als "Renner". "Da wird nicht nachgefüllt", bedauert Jonas.

Die Mengen ermittelt die Firma "Der Hauskoch", die die Mensa beliefert, anhand von Erfahrungswerten, die in eine Statistik eingehen, wie deren Chef Ulrich Lütke erläutert. Anders als an anderen Schulen wird das Essen nicht bis zu einem bestimmten Stichtag vorbestellt. "Die Eltern wollten das nicht", sagt Ute Fechner, Vorsitzende des Mensa-Vereins. Weil das eben die spontane freie Wahl ausschließe.

Möglichst ohne Bargeld

Zurzeit können die 3,20 Euro fürs Essen am Mensa-Eingang noch bar bezahlt werden. Zum neuen Jahr nicht mehr. Dann gibt es Wertmarken im Sekretariat. Aber besser noch soll sich, wer Hunger hat, über eine aufladbare Geldkarte am Automaten einen Bon ziehen, den er beim Mensa-Personal abgibt. Diese Karten seien gegen andere Nutzungen gesichert, sagt Ute Fechner.

Oft sei das Essen kalt, kritisierten bei einer kleinen Umfrage die Achtklässlerinnen Leonie und Vanessa ebenso wie andere Schüler. Die hätten immer noch nicht gelernt, dass sie die Speisen in den Warmhaltebehältem umrühren müssten, bevor sie ihre Teller füllen, sagt Ulrich Lütke dazu. Der Tee sei zu süß, und dem Wasser fehle Kohlensäure lauten zwei weitere der Kritikpunkte, die zwei Sechstklässlerinnen zu einer Unterschriftenaktion veranlasst haben. 118 Mitschüler hätten unterschrieben, sagen sie. Das Ergebnis wollen sie dem "Chefkoch" vorlegen.

Das in einer Küche im Telekom-Gebäude zubereitete Essen sei gesund, sein Betrieb erhalte demnächst eine EU-Zertifizierung, sagt der Betreiber, der auch andere Schulen und Einrichtungen beliefert. Eine Reklamationsquote von acht Prozent sei "ein sehr guter Schnitt". "Viele machen zu vielem eine lange Zunge", meint der Schulleiter dazu. Der Mensa-Verein will per Mensa-Tagebuch die Schüler-"Geschmäcker" ergründen.

NACHSCHLAG: Bald 50 Plätze mehr

Rund 90 Quadratmeter mit 75 Plätzen plus weitere 42 Sitzplätze im angrenzenden Bereich für Nachmittagsbetreuung umfasst die KDG-Mensa, die in einem ehemaligen Abstellraum entstand und mittags für eine Stunde geöffnet ist. Mit dem Ganztagsbetrieb zum Schuljahr 2010/2011 sollen weitere 50 Plätze hinzukommen, wofür unter anderem ein Chemieraum umfunktioniert wird. Von anfangs 120 kalkulierten Essen täglich sei die Zahl in diesem Jahr auf 75 reduziert worden, so die Schulverwaltung im Rathaus.

 
 

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