Zu allem gibt's Ahornsirup

 

Seit Anfang August lebt KDG-Schülerin Sabrina Ehlers (16) aus Hamminkeln als Austauschschülering bei einer Gastfamilie in Kanada. Für die RP berichtet sie von ihrem Leben im Ausland.

VON SABRINA EHLERS in RP vom 16.12.2008

QUEBEC/WESEL/HAMMINKELN Nach drei aufregenden und interessan­ten Monaten des Entdeckens und Einlebens, fange ich an, hier, in Quebec, der einzigen französisch-sprachigen Provinz Kanadas, ein „Alltagsleben" zu haben. Meine Gastfamilie hat mich denkbar herz­lich aufgenommen und hilft mir wo sie kann, mich hier zurechtzufin­den und die Kultur Quebecs ken­nen zu lernen. Sie besteht aus mei­ner Gastmutter Julie und meinem Gastvater Alex (beide 27 Jahre), so­wie meinen beiden kleinen Gast­brüdern Felix und Jacob (4 und 2 Jahre).

Einen wirklichen „Kulturschock" habe ich nicht erlebt, da sich die Gemeinsamkeiten mit Deutsch­land und die Unterschiede doch ungefähr die Waage halten. Was ich eigentlich fast schade fand, denn gerade die großen und kleinen Be­sonderheiten faszinieren mich je­den Tag aufs Neue.

Um mal einen ungefähren Ein­druck der Unterschiede zu geben, im Folgenden eine kleine Auswahl derer, die ich beobachten konnte und interessant finde. Das Erste, an das ich mich hier erst einmal ge­wöhnen musste, waren die Essens­zeiten. Gefrühstückt wird je nach Arbeitszeit relativ früh morgens (zwischen 6 und 8.30 Uhr), damit pünktlich um 12 Uhr eine warme Kleinigkeit zu Mittag gegessen werden kann. Die Hauptmahlzeit ist je­doch das warme Abendessen schon um circa 17 Uhr, das auch schon einmal über eine Stunde dauern kann. Allgemein wird hier sehr viel Fleisch und sehr zuckrig gegessen. Besonders die typischen Gerichte sind  wahrhafte Kalorienbomben (nicht zuletzt aufgrund der obliga­torischen Portion Ahornsirup, die anscheinend zu allem und jedem gegessen werden kann).

Nur wenige sprechen gut Englisch

Wie alle anderen Deutschen hier, habe ich deswegen in den ersten Wochen einige Kilogramm zuge­legt, was sich aber mittlerweile schon wieder einigermaßen einge­pendelt hat. Ziemlich überrascht hat mich, dass hier eigentlich nicht viele Leute (gut) Englisch sprechen; auch die Jugendlichen nicht. Auf meine Frage hin, wurde mir dieser Umstand damit erklärt, dass die „Quebecois" so darauf bedacht sind, ihre eigene Sprache davor zu bewahren unterzugehen, dass sie einfach nicht so gern eine andere Sprache lernen wollen. Sehr signifi­kant ist natürlich der Klimaunter­schied. Anfang August noch kaum zu spüren, macht er sich danach doch recht deutlich bemerkbar:

Der erste Schnee ist nicht weit von hier schon vor etlichen Wochen gefallen, und morgens gehe ich nur noch in voller Wintermontur (und zur Belustigung der Kanadier trotz­dem frierend) aus dem Haus. Einer der ersten umgangssprachlichen Ausdrücke, die ich hier gelernt habe, war deswegen auch: „II fait frette, cälisse!" (Meine Güte ist es kalt!).

INFO: Sitten und Gebräuche

Auf die Idee, ein Jahr im Ausland zu verbringen, kam Sabrina Ehlers durch einen Aushang im KDG für das Sprachprogramm „Euro-Va-cances" für Schüler zwischen 15 und 17. Sabrina Ehlers ist sich sicher, dass sie nach elf Monaten Kanada flie­ßend Französisch sprechen wird. Zu Beginn ihres Auslandaufenthal­tes wurde sie in einem Kursus über Sitten und Gebräuche im Gastland aufgeklärt.

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