Unverschämte Lehrerschelte

 

SCHULE. Auch in Wesel und Schermbeck hat die zentrale Mathe-Prüfung etliche Abiturienten kalt erwischt. Kritik an Äußerung der Schulministerin.

MARC WOLKO in NRZ vom 7.6.2008

WESEL/SCHERMBECK. Die Prüfungen sind geschrieben, die Noten bekannt, nur noch zwei Wochen, dann halten sie das Zeugnis in der Hand. Für die meisten Abiturienten ha­ben die Ferien schon begonnen - aber eben nicht für alle. Es gibt etliche, die in die Nachprü­fung müssen, weil sie von der Vorbenotung zu gut oder auch zu schlecht abgewichen sind. Vor allem, wenn Mathe eines der Prüfungsfächer war.

Ob dieser Kritik hat sich Heinzgerd Schott, Leiter des Konrad-Duden-Gymnasiums, die Mühe gemacht, und die Er­gebnisse aufgearbeitet. „Von 96 Abiturienten müssen 19 in die Nachprüfung. 15 sind nach un­ten und vier nach oben abgewi­chen." Während es in Biologie und Physik, auch hier kam Kri­tik wegen zu umfangreichen Materials auf, keine Auffällig­keiten gab, müssen zehn Ma­the-Abweichler nochmal ran. Aber auch diese Größenord­nung sei bei 39 Schülern im Leistungskurs normal, so Schott. Signifikanter sei dies beim Grundkurs: Hier müssen von 25 Schülern ebenfalls fünf in die Nachprüfung. Alles halb so wild, sagt Schott. „Auch vor dem Zentralabi hat es in Mathe mehr Abweichungen als in den übrigen Fächern gegeben."

„Kein gutes Signal für kommende Jahrgänge"

„Wenn man möchte, dass Schüler Naturwissenschaften und Mathematik wählen, ist es kein gutes Signal für kommen­de Jahrgänge, es denen beson­ders schwer zumachen", kom­mentiert Jürgen Berner vom Andreas-Vesalius-Gymnasium die neuesten Diskussionen ums Pannen.-Abi. Beschwerden oder Wünsche nach Nach-schreibe-Klausuren seien an ihn aber nicht herangetragen worden, gleiches gilt für die Ge­samtschule am Lauerhaas.

Um nicht den Eindruck zu vermitteln, man wolle jungen Menschen die Zukunft verbau­en, preschte die Schulministe­rin gestern vor und versprach, dort Nachprüfungen zuzulas­sen, wo der Stoff nachweislich nicht behandelt wurde. Ein Zug, den Norbert Hohmann, Direktor der Gesamtschule Schermbeck, kritisiert: „Was die Ministerin vermeintlich im Schüler-Interesse gesagt hat, ist unverschämte Lehrerschelte." Damit werfe sie den Lehrern ein „großes dienstliches Ver­säumnis vor, weil die ihren Job nicht richtig gemacht haben", sagt Hohmann und stellt sich hinter sein Kollegium.

Nicht nur er sieht das Pro­blem an anderer Stelle, näm­lich in den undurchdachten Aufgabenstellungen. Auch wenn es an seiner Schule des­halb mehr Abweichler als üb­lich gibt, scheut er sich nicht und gibt dies offen zu. Denn er ist nicht allein. Wieso sonst gibt es landesweit Proteste?

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