Sportbeutelbermudadreieck

 
 

Es muss nicht immer Diebstahl gewesen sein: Was tun nach Taschen-Verlust?

Wesel. Niklas vermisst seinen Sportbeutel. Ein tolles Teil, findet der Gymnasiast. Ganz in Deutschland-Farben gehalten und von an­sprechender Qualität. Auch der Inhalt ist alles andere als wertlos: Sein Lieblings-Handtuch, eine relativ teure Schwimmbrille, eine Bade­hose und ein Base-Cab. „Den Beutel harte ich im Schulbus vergessen. Ich hab' den Busfahrer später gefragt und auch in der Schule. Es war nix zu machen. Der Beutel blieb verschwunden.

Diebstahl? Das fragen sich Gleichbetroffene. „Wer klaut denn schon einen Turnbeutel mit ver­schwitzten Schuhen, Hemd, Hose oder Handtuch?", hält Heinzgerd Schott, der Leiter des Konrad-Du­den-Gymnasiums dagegen. Er hält die Vermutung für unwahrscheinlich, warnt vor einem vorschnel­len Verdacht bezüglich dreister Langfinger.

Das sieht nicht nur Malte (10) völlig anders: Er vergaß vor rund drei Wochen eine Jacke im Schul­bus, fragte ebenfalls nach - auch in der Zentrale des Busunternehmens - und sah sie bislang nicht wieder. Auch Katrin Kopp weiß von Diebstahl zu berichten: Ihr Sohn Gregor vermisst seit Monaten seine Sporttasche mitsamt seinen Turnschuhen und vor allem seinem geliebten Schalke-Trikot. Nur irgend wo vergessen? Die desillusionierte Mutter glaubt felsenfest: „Die Tasche wurde gestohlen!"

Meistens ist es Vergesslichkeit

KDG-Direktor Schott: „Mindestens wöchentlich, also ständig, haben wir im Sekretariat Anfragen von Schü­lern, die im Bus Kleidungsstücke, Taschen, Turnbeutel vergessen haben. Fast ausschließlich handelt es sich da­bei nicht um Diebstahl, sondern um Vergesslichkeit!

In und um Wesel fahren zwei Beförderungsunterneh­men: NIAG und RVN. Dort sollte man anrufen und den Verlust melden (Telefon NIAG: 0281/1648630, RVN: 0281/3007490). In vielen Fällen tauchen die verlore­nen Gegenstände dort wieder auf. Wichtig ist aber, dass Tag, Buslinie und Fahrtzeit genannt werden, damit das Busunternehmen nachvollziehen kann, welcher Busfahrer) eingesetzt war. Ich wäre sehr vorsichtig, von

Ihrem Kind ist etwas im Schulbus oder auf dem Schulhof gestohlen worden? Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen bitte in einem Leserbrief an: redaktion @derweseler.de oder über

„Turnbeutel-Klau" zu sprechen! Kommen Sie am El­ternsprechtag zu uns und bestaunen Sie die Mengen an verlorenen und nie abgeholten Gegenständen vom Etui mit kompletten Inhalt über Butterbrotdosen und Schlüs­seln bis zu Kleidung aller Art - darunter auch komplette Turnausrüstungen."

Ähnliches vermeldet auch Dirk Timmermann, stell­vertretender Leiter der Lauerhaas Gesamtschule in Ob-righoven: Die Fund-Ecke der Schule quelle förmlich über mit teils hochwertiger Kleidung und Taschen aller Art. „Die Sachen werden einfach nicht abgeholt", so

Timmermann. Stelle man fest, dass die Besitztumer über ein halbes Jahr lang nicht abgeholt würden, kämen sie in einen Spenden-Pool. „Turnbeutel-Klau"? „Damit haben wir hier kein Problem", stellt der Schulleiter klar. Ihm sei seit zweieinhalb Jahren jeden­falls nichts Derartiges zugetragen worden.

„Wir legen Wert darauf, dass wir von jedem einzelnen Fall erfahren", betont er und macht darauf aufmerksam, dass Schuldirektorin Ursula Hanebeck und er selber „of­fensiv in die Schulpflegschaft gegangen" seien, um dort darum zu bitten, dass alle Probleme, die in Schulbussen auftreten, der Schulleitung zu Gehör gebracht werden. Das zuständige Busunternehmen nehme sich bei An­fragen der Dinge immer „sehr verantwortungsbewusst an".

Kartin Kopp bleibt skeptisch. Sie weiß, dass ihr Sohn nicht jede Sekunde auf seine Sachen aufpassen kann -und dass sein Schalke-Trikot gestohlen wurde. Zu dumm nur: „Ich kann's ja nicht beweisen!".  Dirk Bohlen in DER WESELER vom 24.9.2008. Fotomontage: dibo

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