Nato-General als Schüler getadelt

 


WESEL (mb) Heute heißt das Zimmer im dritten Stock des Weseler Amts­gerichts „Raum 309, Bücherei", frü­her war es der „Olymp". Die Rede ist vom ehemaligen Klassenzimmer des Abiturjahrgangs 1968, der am Samstag zum ersten Mal nach 40 Jahren wieder das „Staatliche Gym­nasium" der Stadt Wesel (heute KDG) betrat. In Erinnerungen schwelgend und bester Laune schlendert die rund 20-köpfige Gruppe durch das Gebäude, darunter zehn der 24 Abiturienten des Jahrgangs 68.

Der wohl berühmteste Schüler des Gymnasiums ist Nato-Kom­mandeur Egon Ramms. Der erin­nert sich an manch schönen Streich. „Dem Oberstudienrat Theiß haben wir einmal Knallplättchen auf die Klavierhämmerchen gelegt. Das hatte nicht nur zur Fol­ge, dass das Klavier neu gestimmt werden musste, sondern auch, dass einige Tadel verteilt wurden. Mein Name war auch dabei", erzählt Ramms mit schelmischem Lächeln. Dass er heute NATO-Befehlshaber über das Allied Joint Force Command (JFC) in Brunssum (Niederlande)ist, hätte er zu Schulzeiten nie gedacht. Er trat nach dem Abi­tur als Offiziersanwärter bei der Bundeswehr an und verpflichtete sich freiwillig für drei Jahre. „Aus diesen drei sind jetzt fast schon 40 geworden." Doch wie muss man sich ein Abitur in den „wilden 60ern" vorstellen? „Das staatliche Gymnasium war eine sehr autoritä­re Schule mit einer hohen Reputati­on", sagt Jürgen Bachmann, der als Kinderarzt in Bremen lebt. „Über Pädagogik wusste man hier wenig. Vom Pariser Mai und ähnlichen Er­eignissen hat man in Wesel eher wenig mitbekommen. Die meisten wurden erst im Studium politisch aktiv." Ramms erinnert sich jedoch zurück an die „Raucherecken-Kommission", die eine Raucher­ecke an der Turnhalle durchsetzte. Über eines sind sich alle Ehemali­gen einig: „Auch wenn wir damals geschimpft und geflucht haben: Nach 40 Jahren hat sich die Ausbil­dung hier doch als solide erwie­sen", sagt Ramms.

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