Kopfnoten auch ohne schriftliche Begründung

 

VON DETLEV HUWEL in RP vom 06.11.2008

DÜSSELDORF Auf den Schulzeugnis­sen in NRW werden künftig nur noch drei statt bisher sechs Kopf­noten erscheinen. Dies hat der Schulausschuss des Landtags ges­tern mit den Stimmen von CDU und FDP gegen die Opposition be­schlossen. Benotet werden Leis­tungsbereitschaft, Zuverlässigkeit/ Sorgfalt sowie das Sozialverhalten der Schüler, wobei die vierstufige Notenskala „sehr gut", „gut", „befrie­digend" oder „unbe­friedigend" vorsieht.

War bisher bei der Vergabe der schlech­testen Note („unbe­friedigend") eine schriftliche Be­gründung zwingend vorgeschrie­ben, so kann diese jetzt entfallen, wenn die Schulkonferenz dies so beschließt. Neu ist auch, dass Ju­gendliche, die sich in der Dualen Ausbildung befinden, auf ihren Berufsschul-Zeugnissen keine Kopf­noten bekommen. In der Grund­schule werden sie in Zukunft erst am Ende von Klasse drei erteilt.

Während der Vorsitzende des Philologenverbandes, Peter Silber­nagel, von einer akzeptablen Lö­sung sprach, bezweifelte GEW-Lan­desvorsitzender Andreas Meyer-Lauber den Sinn von Kopfnoten. Ute Schäfer (SPD) warf Schul minis­terin Barbara Sommer (CDU) Wort­bruch vor, weil entgegen ihrer Zu­sage nun doch keine gründliche Auswertung (Evaluation) der bishe­rigen Erfahrungen mit Kopfnoten vorgenommen worden sei. Es liege lediglich eine pseudo-wissenschaftliche Stellungnahme des Mi­nisteriums vor. Auch die Bildungs­expertin Grit im Brahm (Ruhr-Uni Bochum) äußerte Zweifel an der wissenschaftlichen Fundierung der vorliegenden Auswertung.

Barbara Sommer wies die Kritik zurück. Es seien keineswegs nur Ar­beitgeber nach ihrer Meinung zu Kopfnoten befragt worden, wie be­hauptet werde. Vielmehr seien in die schriftliche Vorlage ihres Hau­ses auch die Schilde­rungen von Lehrern, Eltern und Schülern eingeflossen. Alles in allem ergebe sich da­raus, dass Kopfnoten ein sinnvolles und hilfreiches Instrument seien. Drei Noten seien ausreichend, auch wenn sie selbst zunächst vier Noten bevorzugt habe. Für Ute Schäfer ist angesichts dieses „Geschachers" die Reduzierung auf drei Noten „reine Willkür". Schäfer sagte vo­raus: „Das Kopfnoten-Chaos geht in die nächste Runde."

„Das Chaos geht in die nächste Runde"

Schul-Staatssekretär Günter Winands zeigte sich unterdessen zu­versichtlich, dass sich die Schulen in evangelischer Trägerschaft, die sich bislang gegen Kopfnoten ge­sträubt haben, noch einlenken wer­den, so dass es auch hier zu einem „guten Ergebnis im Sinne des Mi­nisteriums" kommen werde. Die Evangelische Kirche hatte zum Thema Kopfnoten ein Gutachten in Auftrag gegeben, das aber ange­sichts der noch laufenden Gesprä­che vorerst nicht veröffentlicht werden soll, wie Winands erklärte.

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