Jetzt heißt es: Schule aus!

 

KONRAD-DUDEN-GYMNASIUM. Seit 1971 unterrichtet Werner Breitscheid Englisch und Erdkunde. Ende des Monats geht der beliebte Lehrer, der auch als „DJ Werner" bekannt ist, in Pension.

MARC WOLKO in NRZ vom 18.Januar 2008

WESEL. An seine „erste Amts­handlung" erinnert sich Wer­ner Breitscheid noch genau. „Ich habe erst einmal auf der Landkarte geschaut, wo Wesel überhaupt liegt. Dann habe ich ein Versetzungsgesuch einge­reicht." Von seinem Geburtsort Rösrath im Rheinisch-Bergischen-Kreis bis zum Nieder­rhein ist es eine kleine Weltrei­se. Aber der Oberstudienrat entschied sich letztendlich für Wesel. Ende des Monats geht der langjährige Lehrer des Konrad-Duden-Gymnasium nach sechsunddreißigeinhalb Jahren in Pension.

Der Niederrhein und seine Menschen müssen bei ihm ei­nen bleibenden Eindruck hin­terlassen haben. Sonst wäre Breitscheid, der sich selbst als Kosmopolit beschreibt, sicher­lich nicht so lange in Wesel und am KDG geblieben, wo er Eng­lisch und Erdkunde unterrich­tete. „Ich bin hier aber auch sehr herzlich empfangen wor­den", sagt der 65-Jährige.

Bald vier Jahrzehnte Schul­dienst liegen hinter ihm, wenn Schulleiter Heinzgerd Schott ihm zum Monatsende die Ent­lassungsurkunde überreicht. Eine lange Zeit, in der sich viel geändert hat.

1971, als er nach dem Referendariat in Wuppertal das er­ste Mal als Assessor vor einer Klasse stand, herrschte in der Schule eine ganz andere Atmo­sphäre. Von guter alter Zeit zu sprechen, das ist aber nicht sein Ding. „In den 70er-Jahren war es viel schwieriger, zu unter­richten", sagt Breitscheid, übri­gens Lehrer aus Überzeugung. „Heute sind die Schüler angepasster und disziplinierter", hat er selbst die Erfahrung ge­macht, „dass die Kinder nicht frecher geworden sind." Ein Grund, sich wieder für den Lehrerberuf zu entscheiden, wenn er noch einmal die Wahl hätte. „Für mich stand eigentlich schon seit der zehnten Klasse fest, dass ich das machen wollte."

Ein Lehrer und Entertainer

Aber es gibt auch die Kehrseite des Jobs, und die besteht aus Bürokratie. „Die Kopfnoten fand' ich früher in Ordnung und sinnvoll, aber heute 150 Schülern sechs Kopfnoten geben zu müssen, das ist einfach nicht machbar." Auch das Zentralabitur schränke den an sich schönen Beruf immer weiter ein. Kurz: „Die Belastung ist in den vergangenen Jahren enorm gestiegen." Für Breitscheid also die richtige Zeit, um aufhören zu dürfen. „Irgendwann muss es gut sein", sagt er.

Die Schüler und Kollegen, die ihn als engagiert und ge­recht umschreiben, werden ihn vermissen. Nicht nur als Leh­rer, der das Camebridge-Zertifikat ans KDG gebracht und vor 13 Jahren den bilingualen Zweig aufgebaut hat, zählt sein Chef, Schulleiter Heinzgerd Schott, die Verdienste Breitscheids auf. „Seine Talente gin­gen weit über die Fähigkeiten zu gutem Unterricht hinaus."

In Wesel ist der Lehrer und langjährige VHS-Dozent viel­fach auch unter seinem Pseud­onym „DJ Werner" bekannt. Ob beim Schulkarneval oder Abi-Ball: Über Jahre hat der Stones-Liebhaber auch bei Schulfeiern als Diskjockey und Moderator richtig für Stim­mung gesorgt. Schulleiter Schott: „In ihm steckt nicht nur ein Lehrer, sondern auch ein Entertainer."

DAS LEBEN DANACH

Heute verabschieden ehema­lige und aktuelle Kollegen und Schüler Werner Breit­scheid mit einer Feier. Den Ruhestand wird Werner Breit­scheid in Mehrhoog verbrin­gen, wo der Rheinländer sich mit seiner Frau niedergelas­sen hat. Zu tun hat der ehe­malige Lehrer trotz Pensio­närsdasein noch genug. Breitscheid hat eine nicht ge­rade kleine Sammlung klassi­scher Rockmusik zu pflegen, er ist aktiver Medenspieler und zweiter Vorsitzender des TV Mehrhoog und hat dann auch noch ein Haus, Gatten, Katze und Fische zu versorgen und zu pflegen. „Früher bin ich viel 'rumgereist, heute bin ich sehr gerne zuhause."

Die Abschiedsparty

 
 
 
 
 
 

Nach 36 1/2 Jahren wird KDG-Urgestein Werner Breitscheid sich nun mehr im Tennis des TV Mehrhoog statt in der Schule engagieren. Rund 250 Gäste kamen zur Feier für den beliebten Englisch- und Erdkundelehrer.

VON MICHAELA BASTIAN in RP vom 21.1.2008

WESEL Das allmorgendliche, bis ins benachbarte Klassenzimmer ver­nehmbare „Good morning!", das selbst den müdesten Schüler aus seinen Träumen schrecken ließ, wird es ab Ende Januar im Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) nicht mehr geben. Auch die Kopierkosten werden wohl dramatisch abneh­men. Der Grund: Oberstudienrat Werner Breitscheid, Englisch- und Erdkundelehrer sowie Urgestein des Kollegiums, geht nach sechs-unddreißigeinhalb Jahren in den Ruhestand. Den hat sich der als „DJ Werner", „Mr. B", „Murmel" und Tennisspieler (TV Mehrhoog) be­kannte Mann redlich verdient, wie die zahlreichen und herzlichen Be­lobigungen auf seiner Abschieds­feier am Freitagabend bewiesen.

Lust und Freude am Beruf

In einer humorvollen Abschieds­rede gelang es Schulleiter Dr. Heinz-Gerd Schott, das „nieder­rheinische Grau-Murmeltier Wernerius Mehrhooginensis" treffend zu charakterisieren. „Seine menschliche Art hat auch mir in vielen dienstlichen Situationen sehr gut getan", berichtete er. „Er ist der Erste seit jeher, der noch in sei­ner Dienstzeit 65 Jahre alt gewor­den ist. All diese Jahre hat er einen ganz hervorragenden Dienst er­füllt, als Abschluss das Zentralabi­tur mit fantastischen Ergebnissen." Außerdem habe er den bilingualen Zweig, das Cambridge Certificate und das CertiLingua ans KDG ge­bracht. „Für ein solches Engage­ment braucht man viel Lust und Freude am Beruf. Die Freude, die du daran hast, mit jungen Menschen zusammen zu arbeiten, das ist das Tolle an dir", erklärte Schott. Breitscheid: „Ich selbst hatte viele schlechte Lehrer. Das wollte ich besser machen." Deshalb wusste er seit der zehnten Klasse, was er wer­den würde. Nach seinem Examen wurde der Rösrather an den Niederrhein bestellt. Und blieb. „Den Beruf würde ich immer wieder er­greifen, aber mit Vorbehalt: Durch die Bürokratisierung, die vielen Auflagen und der daraus resultierenden Einschränkung, ist man heute zu gebunden an Düsseldorf." „In seinem Unterricht war Platz für Fantasie und Kreativität, Theorie, Praktik, ernsthaftes Debattieren und freundschaftliches Diskutie­ren. Und außerhalb immer Zeit für ein Bierchen auf den Kurstreffen", erzählte Ex-Schüler Andreas Günzing. Breitscheids Rezept? „Tole­ranz. Man darf nicht sofort auf die Pauke hauen und Leute zur Raison bringen wollen."

INFO: „Oh Captain“

Rund 250 Gäste, darunter Ex-Kolle­gen und Schüler der Abi-Jahrgän­ge 1977 bis 2007 waren gekom­men. Letztere verabschiedeten ihn stilecht mit Whitmans Gedicht „Oh Captain, my Captain", zu des­sen Ende sie sich zu Ehren Breitscheids auf die Stühle stellten.

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