Der Schulzeit auf der Spur

 

Wie ist das - ein Besuch an der alten Schule 25 Jahre nach dem Abitur? Ehemalige ließen sie sich von Rektor Heinz-Gerd Schott das Konrad-Duden-Gymnasium (KDG) zeigen. Eine sentimentale Reise in die Vergangenheit.

VON SEBASTIAN LATZEL

WESEL In Science-Fiction-Filmen ist für die Zeitreise eine komplizierte, wild-blinkende Maschine nötig. In der Realität reicht der Schlüssel des Rektors, um einen Abitur-Jahrgang 25 Jahre in die Vergangenheit zu ka­tapultieren. Denn kaum hat Dr. Heinzgerd Schott die Eingangstür geöff­net, ist es, als wäre die Zeit stehen geblieben. Als hätte es das Vierteljahrhundert nicht gegeben, in dem aus den früheren Abiturienten ge­standene Mittvierziger wurden.

Auto in der Schule

Wie früher hängt links vom Ein­gang das schwarze Brett mit der täglichen Pflichtlektüre. Welcher Lehrer ist krank? Welche Stunde fällt aus? Insgeheim erwartet man­cher, dass der Hinweis „Latein bei Harding fällt aus" dort immer noch zu sehen ist. Denn vieles ist wie frü­her. Die eigenartige Atmosphäre im Inneren, in dem man früher nur bei Platzregen die Pausen verbringen durfte. Gelächter kommt auf, als sich die Ehemaligen daran erin­nern, dass sie zur Zulassung damals die „Ente" (das ist ein Auto) einer Lehrerin in die Schule bugsierten.

Geblieben sind die Räume. Geän­dert haben sich Bezeichnungen und Einrichtung. Das Sprachlabor ist zum Computerraum geworden, der frühere triste Fahrschülerraum ist heute eine freundliche Cafeteria, in der Mütter den Betrieb führen: „Früher habe ich meine Mutter nur an der Schule gesehen, wenn ich beim Rauchen erwischt wurde", raunt ein Ehemaliger.

Endlich darf auch ein Blick in den Lehrertrakt geworfen werden. Vor 25 Jahren ein Bereich, der gemie­den wurde, weil die Besuche dort zumeist keinen erfreulichen Anlass hatten, sondern die Folge vergesse­ner Hausaufgaben oder Störens im Unterricht waren. Es wird gestaunt, als beim Blick in die Lehrerfächer auffällt, dass gut die Hälfte der Leh­rer schon vor 25 Jahren Zensuren verteilte als das KDG noch schlicht Gymnasium Nord hieß.

Die Gruppe nähert sich dem Hö­hepunkt der Führung. Rektor Schott öffnet die Tür zur Aula, in der schon damals die Abi-Klausuren geschrieben wurden. Jetzt ist es fast so still wie 1983. Am Raum hat sich fast nichts geändert, nur die groß­formatigen Bilder an den Wänden fallen auf. Frauen-Akte hätte es vor 25 Jahren nicht gegeben. Wer weiß, wie sonst die Klausuren ausgefallen wären? Die werden am Abend bei der Wiedersehen-Feier ausgeteilt. Beim Blick auf die Arbeiten von damals ist die Zeitreise abrupt be­endet. Denn Kurvendiskussion und Vektorrechnung haben 25 Jahre später endgültig jeglichen Unter­haltungswert verloren.

INFO:  154 Ehemalige
Der Abiturjahrgang 1983 gehör­te mit zu den größten Abschluss­klassen überhaupt am damaligen Gymnasium Nord. 154 Schüler „bauten" damals ihr Abitur. Zum mittlerweile dritten Treffen kamen jetzt 66 Ehemalige. Die weiteste Anreise hatte Christoph Serrer, der Lehrer in Ungarn ist.

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